
Rot-Weiss Essen-Ärger nach Pokal-Aus gegen Leipzig: Nyland-Jubel als Kompliment
Am Ende war es eine Szene nach dem Abpfiff, die sinnbildlich für den Pokalabend an der Hafenstraße stand. Leipzigs Keeper Ørjan Nyland, immerhin der Nationaltorwart von Norwegen, drehte sich zur Essener Fankurve und jubelte ausgelassen. Eine Provokation, die als Kompliment für die Leistung von Rot-Weiss Essen anzuerkennen ist. Sah auch ein enttäuschter Janne Sietan so:
"Leider können wir uns von diesem Kompliment nichts kaufen, aber ja, man kann grundsätzlich glaube ich schon stolz darauf sein, was wir hier heute geleistet haben."
Der Mittelfeldspieler der Essener gab Nyland noch ein paar Worte mit und kassierte nach dem Schlusspfiff die Gelbe Karte,
"Ich glaube, das gehört sich generell nicht, und wenn er das dann vor unserer Kurve macht, habe ich ihm nochmal kurz ein paar Takte gesagt. Ich glaube, ein Mann mit der Karriere hat das eigentlich nicht nötig. Er hielt es für nötig, und dazu habe ich ihm kurz meine Meinung gesagt."
In den 90 Minuten zuvor sahen die Fans eine von vielen Verletzungen gebeutete Mannschaft von Rot-Weiss Essen, die nur knapp an der Sensation vorbeigeschrappt ist. Am Ende rettete Christoph Baumgartner die Leipziger mit zwei Toren vor dem Pokal-Aus.
Rot-Weiss Essen hadert nach Niederlage "Hatten sie da, wir wir sie haben wollten"
Lange hatte RWE den Champions League-Teilnehmer RB Leipzig am Rand der Niederlage. Die erste Halbzeit ging klar an die Essener. Lucas Brumme, der nach den Verletzungen von Telalovic, Cuber Potocnik und Janssen überraschend als Stürmer begann, brachte Essen in der 9. Minute in Führung.
Dabei war er nach einem Fehler in Leipzigs Abwehr und einem zu kurzen Rückpass hellwach, umkurvte Nyland und schob den Ball in den leeren Kasten. Die Fans im Stadion feierten jeden gewonnenen Zweikampf wie ein Tor, die Essener rangen Leipzig mit typischen Hafenstraßen-Fußball nieder. Sietan fasste nach dem Spiel zusammen:
"Ich glaube, da haben die sich mal kurz umgeguckt, wo sie hergekommen sind oder was hier jetzt passiert, und haben, wie ich gehört habe, auch eine saftige Ansage in der Halbzeit bekommen."
Als in der 44. Minute Leipzigs Siewald dann sogar mit Gelb-Rot vom Platz flog, sprach vieles für RWE.
"Zwischendurch haben sie sich schon angeschrien. Also wir hatten sie genau da, wo wir sie haben wollten", so Sietan weiter.
Doch in der zweiten Halbzeit konnten die Essener der individuellen Klasse der Leipziger auch mit einem Mann mehr nicht mehr stand halten.
Rot-Weiss Essen nach Pokal-Aus: Am Ende überwiegt der Stolz
Nach vielen Wechseln wurde Leipzig vor allem über die Außen immer stärker, bis der eingewechselte Baumgartner nach zwei Flanken, eine davon nach einem Freistoß, zuschlug. Zum Ärger von Sietan:
"Das 2:1 ist sehr ärgerlich, einen Standard musst du nie fressen und erst recht nicht von Baumgartner. Ich meine, das ist ein guter, unfassbarer Spieler, aber der ist jetzt kein Riese, der das Ding gegen uns einnicken sollte. Es ist schade, weil ich glaube, wir hätten in der zweiten Halbzeit noch eine kleine Schippe mehr drauflegen können und dann hätten wir sie heute knacken können, weil sie waren heute zu knacken."
Am Ende überwog bei Sietan der Stolz auf seine Mannschaft, die es dem Favoriten trotz vielen Verletzungen lange schwer gemacht hat und bis zur letzten Sekunde gekämpft hat.
Weiter geht's für RWE jetzt mit einem Auswärtsspiel in der Dritten Liga bei Sonnenhof Großaspach, die mit 2:4 gegen Augsburg aus dem Pokal geflogen sind. Anstoß ist am Sonntag (1. November) um 16:30 Uhr, das Spiel hört Ihr wie immer live bei Radio Essen.
