
Pollensaison in Essen: Warum Allergiker dieses Jahr besonders leiden
In Essen ist die Pollensaison in vollem Gange. Ob in diesem Jahr besonders viele Menschen darunter leiden und wie sich Allergien im Laufe des Lebens entwickeln, haben wir den Allergologen Martin Hensel im Radio Essen-Interview gefragt.
Veröffentlicht: Montag, 04.05.2026 09:54
Haben wir in diesem Jahr mehr Pollen in Essen?
Überall hört man die Menschen niesen, und tränende Augen sind gerade kein Zeichen von Traurigkeit, sondern davon, dass die Allergiesaison auch in Essen wieder begonnen hat. Denn besonders viele Menschen in Essen leiden aktuell unter ihrer Pollenallergie. Und das ist nicht nur ein Gefühl, sondern tatsächlich so – das bestätigt auch der Allergie-Experte Martin Hensel. Er ist HNO-Arzt und Allergologe am HNO-Zentrum Essen:
"Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Jahr, weil der Winter relativ mild war. Die Allergiker haben dieses Jahr sehr, sehr viele Beschwerden und zwar relativ früh bekommen", sagt Martin Hensel im Interview mit Radio Essen.
Der HNO-Arzt behandelt in diesem Jahr mehr Patientinnen und Patienten mit Allergiebeschwerden. Das hat mehrere Gründe: Durch den Klimawandel breiten sich in Deutschland neue Allergene aus, die hier zuvor nicht heimisch waren – zum Beispiel Ambrosia oder auch die Olive. Außerdem steigt die Feinstaubkonzentration und die Luftverschmutzung in den Städten, was das Immunsystem belastet und Allergien zusätzlich verstärken kann, so der Allergologe.
Allergiesaison in Essen: Wie verändern sich Allergien im Laufe des Lebens?
Es gibt den Mythos, dass sich Allergien alle sieben Jahre ändern sollen. Wir haben den Allergologen aus Essen gefragt: Was ist an der Annahme dran?
„Es ist ein bisschen was dran. Man sagt eigentlich im Zwei-Jahres-Rhythmus, aber es gibt auch einen mehrjährigen Rhythmus, wo die Bäume vermehrt Pollen produzieren“, erklärt der Allergie-Experte.
Und unabhängig davon, wie stark die Pollenbelastung ist – ändert sich auch, wie stark der Körper darauf reagiert?
„Allergien können sich regulär immer ändern. Mal hat man ein Jahr, wo ein Mastjahr ist – man hat dann sehr, sehr viele Beschwerden. Dann kann es im nächsten Jahr auch ein mildes Jahr sein. [...] Insgesamt werden Allergiebeschwerden nicht weniger häufig, sondern eher mehr, weil die Beschwerden des Immunsystems doch zunehmend sind. Aber auch Hormonumstellungen, zum Beispiel eine Schwangerschaft, kann auch manchmal bedingen, dass die Allergie auch wieder sehr viel milder wird“, erklärt Martin Hensel im Radio Essen-Interview.
Besonders wichtig ist es dem Allergologen, dass man Allergiebeschwerden nicht bagatellisiert, sondern schnellstmöglich mit einem Arzt oder einer Ärztin abklärt.
Wie beeinflusst das Wetter in Essen die Allergiebeschwerden?
Hilft Regen hier in Essen gegen Heuschnupfen? Auch das haben wir den Allergie-Experten Martin Hensel im Radio Essen-Interview gefragt:
„Anfangs ist Regen eher eine Belastung für Allergiker: Die ganzen Blüten platzen auf, die Pollen werden stärker freigesetzt. Wenn wir einen mehrtägigen Regen haben, dann ist es eine Entlastung, weil die Pollen gebunden werden und dann mehr am Boden sind und nicht mehr fliegen“, erklärt er.
Der April war in diesem Jahr tatsächlich relativ niederschlagsarm, bestätigt der Deutsche Wetterdienst auf Radio-Essen-Nachfrage. Lange Regenperioden zur Entlastung für Allergiker – Fehlanzeige. Das sei aber keine Ausnahme, wenn man die Regenmengen der letzten 20 Jahre vergleicht. Insgesamt habe die Regenmenge im März und April 2026 aber fast im Normalbereich gelegen.