
Neue Grundsteuer in Essen beschlossen – Folgen auch für Mieter
In Essen wohnen wird teurer. Die Politiker im Rat der Stadt haben am Mittwoch (27.05.) beschlossen, dass die Grundsteuer für die meisten Gebäudebesitzer deutlich steigt. Über die Nebenkosten-Abrechnung erreicht dies mit etwas Verzögerung auch die Mieterinnen und Mieter.
Veröffentlicht: Mittwoch, 27.05.2026 14:45
Neue Berechnung der Grundsteuer in Essen
Die Reform der Grundsteuer bringt uns in Essen in diesem Jahr einige Überraschungen. Die Grundsteuer musste nach einem Gerichtsurteil neu berechnet werden, seit dem 1. Januar 2025 zahlen wir alle die neuen Beträge. Dabei haben sich aber Probleme ergeben: Die Stadt sollte vor und nach der Reform gleich viel Geld durch die Steuer einnehmen. Vor allem, weil mehre als 18.000 Gebäude- und Grundstücksbewertungen im Laufe des vergangenen Jahres geändert werden mussten, fehlt jetzt aber Geld: Im Jahr 2025 wurden in Essen rund neun Millionen Euro weniger durch die Grundsteuer eingenommen als geplant.
Um Wohnen in Essen günstiger zu machen, hat die Stadt Essen außerdem zum ersten Mal unterschiedliche Steuersätze für Wohngrundstücke und gewerbliche Grundstücke eingeführt. Die Besitzer von Grundstücken, die nicht zum Wohnen genutzt werden, mussten einen viel höheren Steuersatz zahlen. Dagegen haben sich einige von ihnen vor Gericht gewehrt. Es gibt noch kein abschließendes Urteil, erste Gerichtsentscheidungen zeigen aber, dass vermutlich wieder ein einheitlicher Grundsteuersatz für alle in Essen eingeführt werden muss. Um kein Geld zu verlieren, haben ihn die Politiker im Stadtrat am Mittwoch (27.05.) mehrheitlich mit den Stimmen von SPD und CDU beschlossen. Der neue Steuersatz liegt bei 925 v.H., er gilt rückwirkend zum 1. Januar 2026. Die Ratsmehrheit aus SPD und CDU hat in der Ratssitzung klargestellt, dass sie nur ungern zum einheitlichen Steuersatz zurückkehrt.
Fabian Schrumpf (CDU): "Wir handeln aus Verantwortung für unsere Stadt, die Beschlüsse müssen vor Gericht standhalten.“ Philipp Rosenau (SPD): "Sobald es Klarheit gibt, dass wir rechtssicher wieder zu gesplitteten Hebesätzen zurückkehren können, werden wir das tun.“
Kritik kam aus der Opposition: Vor allem ärmere Familien werden den neuen Steuersatz spüren, meinen die Grünen. Man müsse versuchen, unbebaute Flächen stärker zu besteuern, wenn dort eigentlich neue Wohnungen entstehen könnten. Das EBB und die AfD forderten, die Grundsteuer zumindest nicht so stark zu erhöhen. Die Linke wäre gerne trotz der Risiken bei unterschiedlichen Steuersätzen für Wohnen und Gewerbe geblieben. Das BSW hat angeregt, nach weiteren Sparmöglichkeiten zu suchen und nicht die Belastung für die Menschen zu erhöhen.
Was bedeutet der neue Grundsteuersatz in Essen?
Für alle Besitzer von Grundstücken und Gebäuden, die gewerblich genutzt werden, wird es billiger. Wer ein Grundstück zum Wohnen besitzt, egal ob als Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus oder eine einzelne Wohnung, muss mehr zahlen. Die Stadt Essen schätzt, dass eine Eigentumswohnung im Schnitt 100 € pro Jahr teurer wird, bei einem Einfamilienhaus sind es 200 €. Der genaue Betrag hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Auch Mieterinnen und Mieter sind betroffen, mit etwas Verspätung über die Nebenkosten-Abrechnung.
Wie regieren die Wohnungseigentümer in Essen?
Der Eigentümerverband Haus und Grund in Essen empfiehlt seinen Mitgliedern, den Mietern schon in den nächsten Wochen Bescheid zu geben und anzubieten, die monatlichen Vorauszahlungen zu erhöhen. So könne man eine hohe Nachzahlung im kommenden Jahr vermeiden, wenn die Endabrechnung für 2026 kommt. Das Wohnungs-Unternehmen Vonovia will noch abwarten: Eine seriöse Aussage, wie sich die Grundsteuer in Essen für einzelne Wohnungen künftig darstellt, können man jetzt noch nicht treffen. Man prüfe alle Bescheide und stelle noch einmal klar, dass die Grundsteuer komplett an die Stadt Essen weitergeleitet wird und man davon nichts behalte. Bei Gewobau bekommen die Mieterinnen und Mieter mit der Abrechnung für 2025 ein Informationsschreiben. Das Unternehmen geht davon aus, dass es für alle Wohnungs-Mieter teurer wird, auch wenn sie einen Wohnberechtigungsschein besitzen. Der neue Hebesatz werde dann erst in der Betriebskostenabrechnung für 2026 sichtbar, die im kommenden Jahr verschickt wird. Von weiteren Wohnungs-Unternehmen warten wir noch auf Rückmeldungen.