
Was erleben die Anwohnerinnen und Anwohner in Essen an den Schrottplätzen?
Erst Anfang September hat es in Essen erneut auf dem Schrottplatz an der Emscherstraße gebrannt. Eine dichte Rauchwolke zog über Katernberg, es roch überall nach verbranntem Metall und Kunststoffen. Das Ergebnis der Schadstoffmessungen: Anwohnerinnen und Anwohner dürfen im Moment in bestimmten Straßen kein Gemüse mehr aus ihrem Garten oder vom Balkon essen.
An der Bischofstraße in Altenessen nur wenige Meter weiter, ärgern sich Anwohnerinnen und Anwohner über viel Verkehr mit schweren Lastern. Die IST GmbH von der Stauderstraße hat das Gelände eines alten Bauunternehmens an der Bischoffstraße übernommen. Die beiden Gelände grenzen direkt aneinander. An der Bischoffstraße ist aber die Einfahrt und dort werden immer wieder Container umgeladen und abtransportiert, erzählt Ralf Breuer im Interview mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl. Er wohnt direkt im Haus gegenüber. Wenn die Container umgeladen werden, dann wackelt sein ganzes Haus und er fühlt sich als wäre er auf einem Güterbahnhof.
Seine Nachbarin ergänzt, dass es immer wieder Stau gibt und viele Autos mit Anhängern durch die Bischoffstraße fahren. Auf den Anhängern sind meist Schrottautos, die um die Ecke an der Stauderstraße abgeladen werden. Wenn dann noch der Bus kommt, kommt niemand mehr durch.
Hat sich in Essen in den letzten Jahren rund um die Stauderstraße etwas verändert?
Im Gespräch mit Radio Essen erzählt Bezirksbürgermeister Klaus Hagen, dass er den Eindruck der Anwohnerinnen und Anwohner teilt, dass immer mehr Autos zum Schrottplatz gebracht werden. Er wohnt selbst an der Bischoffstraße und beobachtet, dass häufig abgemeldete Fahrzeuge am Nordfriedhof geparkt und später dann abgeholt und zur Verwertung an die Stauderstraße gebracht werden.
Er will sich jetzt zusammen mit den Politikerinnen und Politikern aus der Bezirksvertretung die Situation an der Bischoffstraße ansehen und auch mit den Vertretern der Verwaltung sprechen. Ihm ist vor allem aufgefallen, dass die Stauderstraße häufig kaum noch genutzt werden kann, weil es dort immer wieder Stau gibt. Selbst die Feuerwehr kann teilweise nicht mehr zur Stauderstraße ausrücken, erzählt er.
Wie reagieren in Essen Anwohner an der Emscherstraße nach dem Brand?
Die Anwohnerinnen und Anwohner in Essen rund um die Emscherstraße haben inzwischen eine Petition gestartet. Sie fordern darin, dass es regelmäßige Kontrollen auf dem Schrottplatz durch die zuständigen Behörden geben soll. Sie wollen auch, dass der Schrott nicht mehr über die Maximalhöhe gelagert werden darf und Brandschutzmaßnahmen strikt eingehalten werden.
"Wir verdienen es, in einem sauberen und sicheren Umfeld zu leben, ohne in ständiger Angst vor dem nächsten Brand."
So schließt die Petition.
Was sagen in Essen die Betreiber der Schrottplätze?
Nach dem Brand in Essen auf dem Schrottplatz der Firma WRL GmbH will das Unternehmen die Präventionsmaßnahmen weiter ausbauen. Dafür will die Betreiberin ein flächendeckendes Wärmebild- und Brandfrüherkennungssystem mit etwa 30 bis 40 Kameras aufbauen lassen. So sollen frühzeitig Rauch, Staub und ungewöhnliche Wärmeentwicklungen erkannt werden. Mitarbeiter und Wachdienst sollen das System überwachen. Gleichzeitig verweist die Firma auf das branchenweite Risiko durch Lithium-Ionen-Akkus und Batterien. Diese gelangen häufig unerkannt in den Metallschrott und können dort Brände auslösen. Die Polizei geht davon aus, dass auch der letzte Brand durch einen solchen Akku ausgelöst wurde.
Ein Mitarbeiter des anderen Schrottplatzes, von der IST GmbH an der Stauderstraße in Altenessen erklärt auf Radio Essen-Nachfrage, dass an der Bischoffstraße die Werkstatt des Unternehmens eingerichtet wurde. Dort werden unter anderem die Bagger repariert. Die Mauer am Grundstück hatte Risse und wird deshalb gerade neu gebaut.
Wie werden in Essen Schrottplätze überprüft?
Ein Sprecher der Stadt Essen erklärt auf Radio Essen-Nachfrage, dass es für den Betrieb auf beiden Schrottplätzen entsprechende Genehmigungen der Stadt Essen und von der Bezirksregierung gibt. Die IST GmbH lässt den Betrieb außerdem regelmäßig vom TÜV Nord zertifizieren. Der TÜV Nord prüft dabei angemeldet und alle fünf Jahre unangemeldet den Betrieb der Anlage. Dabei geht es um Zuständigkeiten, Schulungen der Mitarbeitenden, die richtige Trennung der Abfallarten und die Einhaltung der Brandschutzmaßnahmen. Außerdem wird geprüft, wie das Unternehmen mit Gefahrenstoffen umgeht.
Warum brennen immer wieder Akkus in Essen?
In Essen gab es in der Vergangenheit im Vergleich mit anderen Kommunen relativ wenig Brände, die durch Akkus ausgelöst wurden. Christian Herrmanny von den Entsorgungsbetrieben Essen sagt, dass es bundesweit täglich bis zu 30 Brände in Müllwagen, auf Recyclinghöfen, Schrottplätzen und in Müllverbrennungsanlagen gibt. Acht von zehn Bränden werden dabei durch Akkus ausgelöst.
Ein Experte vom TÜV Nord erklärt die Gefahr. Die Lithium-Ionen-Akkus können einen thermischen Durchgehprozess (Thermal Runway) durchlaufen und sich dabei schlagartig erhitzen. Dadurch werden brennbare Gase freigesetzt und die Zellen können sich selbst weiter erhitzen und explosionsartig abbrennen. Passiert das in einem Müllwagen oder Schrotthaufen, werden die Abfälle rundherum entzündet und es wird eine Kettenreaktion ausgelöst.
Welche Gefahren gehen von Akkubränden aus?
Durch die Brände können zahlreiche gesundheits- und umweltgefährliche Stoffe freigesetzt werden, erklärt der Experte vom TÜV Nord weiter. Dazu gehören Fluorwasserstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und verschiedene organische Lösungsmitteldämpfe. Rußpartikel und Feinstaub lagern sich auch den Oberflächen ab. Deswegen hatte die Stadt Essen darauf hingewiesen, dass nach dem Brand an der Emscherstraße möglichst zwei bis drei Zentimeter Sand aus den Sandkästen ausgetauscht werden sollten. Zusätzlich können noch Schwermetallverbindungen freigesetzt werden, je nach Batterietyp. Dazu gehören Nickel, Kobalt und Mangan.



