
Der Weg des Wassers in Essen
Einmal abspülen und weg. So fühlt es sich zumindest nach dem Toilettengang an. Tatsächlich passiert aber viel mehr. Radio Essen-Stadtreporterin Hannah Frühoff hat nachgefragt: Wie kommt unser Abwasser eigentlich wieder zurück in die Ruhr?
Veröffentlicht: Dienstag, 17.02.2026 16:30
Wo kommt das Abwasser in Essen an?
Wie wird unser Abwasser wieder so sauber, dass es zurück in die Ruhr fließen darf? Das weiß Thorsten Goldschmidt, er ist Abwassermeister auf der Kläranlage Essen Süd in Heisingen. Auf dem großen Gelände sind viele verschiedene Becken in allen möglichen Ausführungen.
Thorsten startet beim Zulauf. Hier fließt das sogenannte Rohabwasser durch, das direkt aus der Kanalisation kommt. Doch nicht nur das; auch einige Dinge, die eigentlich nicht in die Toilette gehören, fließen hier lang - zum Beispiel Zahnseide-Sticks aus Plastik. Auf die Frage, was noch fälschlicherweise im Abwasser landet, kommt die Antwort sofort. Am häufigsten landen Feuchttücher und Essensreste im Abwasser. Die Feuchttücher lösen sich im Gegensatz zu Toilettenpapier nicht auf und können mit ihren Kunstfasern zu verstopften Rohren führen. Lebensmittel können unter anderem Ratten anlocken. Theoretisch kann aber alles hier ankommen, was durch ein Rohr passt - letztens seien sogar Holzdielen angeschwemmt worden. Allein in einer Sekunde werden dort 1.400 Liter angespült.
Wie wird das Abwasser aus Essen wieder sauber?
Als nächstes geht es zur ersten Stufe der mechanischen Abwasserreinigung: dem Rechen. Hier ist es besonders laut. Das Abwasser fließt durch den Rechen, der dabei verschiedene Feststoffe aus dem Wasser holt. Dazu gehören zum Beispiel Hygieneartikel und Toilettenpapier.
Die nächste Reinigungsstufe ist der Sandfang. In einem langen Becken wird das Wasser auf 0,3 Meter pro Sekunde heruntergebremst, damit Stoffe wie Sand und Kies sich unten absetzen können. Dann geht das Wasser in die sogenannte Vorklärung. Da setzen sich in großen Wasserbecken vor allem Fäkalien unten ab und werden dann als Klärschlamm entfernt. Das erleichtert die weiteren Reinigungsschritte.
Im nächsten Schritt folgt die biologische Abwasserreinigung. Auf der Wasseroberfläche sind dicke Schaumkronen zu sehen. Goldschmidt erklärt, dass das Belebungsbecken das Herzstück der Kläranlage ist. In dem Becken befindet sich eine Bakterienmasse. Das Wasser durchläuft dabei verschiedene Zonen, die belüftet oder unbelüftet sind. So können organische Schmutz- und Nährstoffe verstoffwechselt werden. Das bedeutet, dass manche Bestandteile umgebaut werden, während andere abgebaut werden.
Zum Schluss kommt die Nachklärung, die bei vielen Kläranlagen schon der letzte Schritt der Abwasserreinigung ist. Auf drei Nachklärbecken verteilt sich dabei der sogenannte Belebtschlamm, der unter anderem aus Pilzen und Bakterien besteht. Obendrauf bildet sich die Klarwasserzone, von der aus das klare Wasser in den Schönungsteich geleitet wird. Hier haben es sich viele verschiedene Vögel gemütlich gemacht. Goldschmidt erklärt, dass es den nicht in jeder Kläranlage gibt. Weil diese Kläranlage aber in einem Landschaftsschutzgebiet ist, fließt das Wasser hier noch eine große Runde, in der es sich beruhigen und nachreinigen kann. Anschließend wird das Wasser wieder zurück in die Ruhr geleitet.
Um zu überprüfen, dass das Ruhrwasser auch wirklich die Qualitätsstandards erfüllt, wird es in regelmäßigen Kontrollen auf Grenzwerte überprüft. Dabei werden auch kritische Stoffe, wie beispielsweise Blei, Kupfer und Pestizide überwacht. Ohne diese regelmäßigen Reinigungen und Kontrollen könnten sich in der Nähe der Ruhr schnell Zivilisationskrankheiten ausbreiten.





