
Protest in Essen gegen die Gesundheitsreform
Viele Menschen in Essen machen sich Sorgen wegen der neuen Gesundheitsreform. Seit dem Sommer ist klar, wie sie aussehen soll. Geplant sind zum Beispiel Änderungen beim Krankengeld, bei der Krebsvorsorge und eine Zuckersteuer auf süße Getränke. Bereits am Sonntag (5. September) gab es in Berlin deswegen eine große Demo. Im Mittelpunkt stand dabei die Kinderärztin Dr. Bea Merscher. Sie hatte sich zuvor bei RTL einen heftigen Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz geliefert.
Am Sonntag (13. September) kommt Merscher nach Essen. Hier bei uns in der Stadt findet nämlich ebenfalls eine Kundgebung für den Erhalt einer verlässlichen und solidarischen Gesundheitsversorgung statt. Die Veranstaltung gehört zu den bundesweiten Protesten der Initiative „Es ist Punkt 12!“. Hintergrund sind die aktuellen Proteste gegen Einsparungen im Gesundheitswesen. Viele Menschen sorgen sich um die Folgen für Patientinnen und Patienten, gesetzlich Versicherte und Beschäftigte im Gesundheitssystem.
Die Demo in Essen beginnt am Sonntag (13. September) um 13 Uhr auf dem Burgplatz in der Innenstadt. Laut Polizei werden zwischen 400 und 800 Teilnehmende erwartet.
Gynäkologin aus Essen unter den Rednerinnen und Rednern
Das größte Problem der Gesundheitsreform sehen die Menschen rund um Dr. Bea Merscher im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Damit sollen die steigenden Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt und die Finanzen der Krankenkassen stabilisiert werden. Kritiker befürchten aber, dass das große Folgen für das Gesundheitssystem haben könnte. Sie sagen, viele Bereiche seien schon jetzt stark belastet.
"Wir sind eigentlich schon alle, egal in welchem Bereich wir arbeiten, komplett an der Grenze angekommen und fühlen uns so, dass wir vorm Abgrund stehen und nur noch jetzt in den Abgrund gestürzt werden. Und das ist natürlich dramatisch für alle, die versorgt werden müssen", so Bettina Habedank, Gynäkologin in Rüttenscheid im Radio Essen-Interview
Die Gesundheitsreform tritt ab dem 1. Januar 2027 in Kraft.
Was bedeutet die Gesundheitsreform für die Menschen in Essen?
Die Gynäkologin aus Essen, Bettina Habedank, sieht in ihrem Fachbereich vor allem ein großes Problem: Die gestrichenen Vorsorgeuntersuchungen:
"Das ist jetzt in meinem Fachbereich ganz dramatisch, weil eben Krebsvorsorgeuntersuchungen und Schwangerenvorsorgeuntersuchungen gestrichen werden. Und das ist ja das, was für uns Frauen doch so wahnsinnig wichtig ist. Wir wollen ja präventiv vorsorgen und nicht erst krank werden.", bekräftigt die Gynäkologin in Rüttenscheid
Dazu kommt auch die große Frage: Bekommen Patientinnen und Patienten überhaupt noch Termine?
"Die werden einfach gar keine Termine mehr bekommen oder sie werden ewige Wartezeiten haben. Und dann ist letztendlich, sage ich mal, das Karzinom ist vielleicht schon gewachsen, es wurde halt nicht angeguckt und entsprechend nicht behandelt.", betont Habedank im Radio Essen-Interview.