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Böller-Skandal bei Rot-Weiss Essen: Spielabbruch? Das sagt Schiri-Experte Babak Rafati
© Thorsten Tillmann / FUNKE Foto Services
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Böller-Skandal bei Rot-Weiss Essen: Spielabbruch? Das sagt Schiri-Experte Babak Rafati

Das Spiel zwischen Rot-Weiss Essen und Waldhof Mannheim am Mittwoch (4. März) ist von einem Böllerwurf aus dem Gästeblock überschattet worden. Hätte das Spiel abgebrochen werden müssen? Das sagt der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati.

Veröffentlicht: Donnerstag, 05.03.2026 15:33

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Hätte Rot-Weiss Essen gegen Mannheim abgebrochen werden müssen?

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Es läuft die 53. Minute in der Partie zwischen Rot-Weiss Essen und Waldhof Mannheim, als ein lauter Knall durchs Stadion schallt. RWE-Torwart Felix Wienand geht zu Boden, muss später sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Partie wird beim Stand von 1:0 für die Essener für knapp 45 Minuten unterbrochen. Es gab viele Diskussionen, die auch einen Tag später noch laufen. Hätte das Spiel abgebrochen werden müssen? Keine leichte Entscheidung für den jungen Schiedsrichter Lennart Kernchen. Das sagt auch der ehemalige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati, ein anerkannter Experte auch für die 3. Liga, im Interview mit Radio Essen-Sportreporter Mario Arlt.

"Man muss als Schiedsrichter erstmal die Ruhe bewahren. Es geht erstmal um die Gesundheit des Spielers. Dann geht es darum, ob die Sicherheit für den weiteren Spielverlauf gewährleistet ist. Das Dritte ist der mentale Zustand der Spieler. Wie sind die jetzt drauf? Diese drei Punkte sind abzuwägen."

Am Ende sind das Entscheidungen, die der Schiedsrichter bei weitem nicht allein trifft, stellt Rafati klar. Auch die Polizei muss beurteilen, ob es für die Fans außerhalb des Stadions sicher ist oder ob Konfliktpotenzial besteht. Auch die Essener Fans haben Böller geworfen und vor dem Stadion Feuerwerk gezündet.

"Bei so einer Entscheidung ist der Schiedsrichter eigentlich das letzte Glied in der Kette. Am Ende müssen dann die Verantwortlichen zu einer Entscheidung kommen - gemeinsam."

So war es dann wohl auch. Obwohl die Essener im Nachgang davon sprachen, von der Entscheidung der Spielfortsetzung "überrascht" zu sein, stimmten sie offenbar zu.

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Böller-Skandal bei Rot-Weiss Essen: Spielabbruch? Das sagt Schiri-Experte Babak Rafati
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Der junge Schiedsrichter Lennart Kernchen war nicht zu beneiden.
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Warum wurde Rot-Weiss Essen gegen Preußen Münster abgebrochen und jetzt nicht?

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Letztendlich wären beide Entscheidungen vertretbar gewesen, sagt Babak Rafati. Sowohl ein Spielabbruch als auch die Fortsetzung. Wichtig sei es, den individuellen Kontext des Spiels zu betrachten. Das macht auch Vergleiche ins Jahr 2022 schwierig, in dem das wichtige Regionalligaspiel um den Aufstieg zwischen RWE und Preußen Münster abgebrochen wurde, nachdem Böller aus dem Essener Fanblock geworfen wurden.

Sicherlich dürften alle Beteiligten aber froh sein, dass die Essener gegen Mannheim bereits in Führung waren und das Spiel auch gewonnen haben. Ein anderer Spielstand hätte in den Diskussionen während der Spielunterbrechung wohl eine andere Herausforderung bedeutet, sagt auch Rafati. Auch im Nachgang, hätte RWE das Spiel noch verloren.

Letztendlich entschieden sich die Verantwortlichen am Donnerstag (5. März), keinen Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen. Möglich wäre noch gewesen, das Ergebnis so am grünen Tisch auf ein 2:0 hochzustufen und ein möglicherweise entscheidendes Tor für das Torverhältnis im Aufstiegskampfs hinzuzugewinnen.

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Junger Schiedsrichter bei Rot-Weiss Essen-Spiel: Ein Fehler?

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Am Ende blickten am Mittwochabend alle Augen auf Schiedsrichter Lennart Kernchen. Der ist gerade einmal 24 Jahre jung. Aus diesem Grund kritisiert Rafati die Ansetzung des DFB:

"Ich habe das Spiel auch schon mal gepfiffen. Das ist ein Spiel, was du eigentlich einem 24-Jährigen gar nicht zumuten darfst. Ich hätte einen erfahrenen Mann hingeschickt. Jetzt ist ein unerfahrener Schiedsrichter in eine Situation geraten, die er bis Dato noch nie erlebt hat. Das macht es schwieriger."

Dennoch stellt der erfahrene Rafati klar, dass dem jungen Schiri kein Vorwurf zu machen ist. Das vollständige Interview mit Babak Rafati sowie seine Bewertung der Roten Karte von Terrence Boyd hört Ihr hier.

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Mario Arlt & Babak RafatiBabak Rafati im Radio Essen-Interview
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Rot-Weiss Essen erstmal ohne Felix Wienand

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Felix Wienand konnte das Krankenhaus inzwischen verlassen und war am Donnerstag (5. März) auch kurz bei der Mannschaft.

"Felix kann sich an den Vorfall kaum erinnern. Das ist laut den Ärzten auch nicht ungewöhnlich. Er war direkt nach dem Vorfall irritiert und wacklig auf den Beinen", sagt RWE-Vorstand Alexander Rang.

Er ist aber nicht in der Lage zu spielen und zu trainieren, stellte Rang klar. Der Keeper hat ein Knalltrauma erlitten und wird der Mannschaft vorerst fehlen. Wie lange er ausfällt, ist noch nicht klar. Wienand wird von Spezialisten behandelt, so Rang. Er habe Kopfschmerzen und Hörverlust. Noch ist auch unklar, ob der 23-jährige Torwart Folgeschäden behalten wird. Das sei aber unwahrscheinlich, sagt Rang. Wienand werde medizinisch und auch juristisch vom Verein unterstützt.

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Böller-Skandal bei Rot-Weiss Essen: Spielabbruch? Das sagt Schiri-Experte Babak Rafati
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RWE-Vorstand Alexander Rang nahm einen Tag nach dem Böllerwurf Stellung.
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Rot-Weiss Essen reagiert auf Mannheim: "Schwierig, wenn solche Dinge verharmlost werden"

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Für weitere Irritationen sorgen Aussagen von Vereinsverantwortlichen von Waldhof Mannheim. Es soll der Satz gefallen sein, dass es "eine einzelne Explosion aus der letzten Reihe" gewesen sei. Dazu hat Alexander Rang eine klare Meinung:

"Die Aussagen, die da getroffen worden sind, können wir in keinster Weise nachvollziehen. Wir haben die Aufnahmen gesehen und können uns das nicht erklären und finden es schwierig, wenn solche Dinge verharmlost werden."

Der Böller sei nach Einschätzung der Einsatzkräfte wenige Meter von Wienand entfernt hochgegangen. Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter gefasst und ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Auch Rot-Weiss Essen geht davon aus, dass der Täter seine Strafe bekommt.

Zum Abschluss dieses Vorfalls war Rang bemüht, das positive zu sehen. "Wir sind super stolz auf unsere Mannschaft, dass sie das Thema sportlich geregelt hat und trotz so einer belastenden Situation voll reingegangen ist."

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Alexander Rang spricht nach dem Böllerwurf
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