
Warum wird in Essen eine Apotheke geschlossen?
"Es tut weh", sagt Apothekerin Annika Ewald als sie in der leeren Apotheke steht. Schnell räumt sie noch ein paar Tuben mit Handcreme ein, die stehen geblieben sind. Der große Schrank für die Medikamentenausgabe ist schon leer. In den Regalen stehen nur wenige Packungen. Nur das Kinderkarussell und die kleinen Kindertische sind noch da. Annika Ewald hat die Apotheke 2017 von ihrem Vorgänger übernommen und hat noch eine zweite Apotheke am Bahnhof Altenessen. Die Kaiser-Wilhelm-Apotheke an der Gladbecker Straße hat zwar eine lange Geschichte.
Die Apotheke gibt es seit 1907 an der Ecke Gladbecker Straße / Bäuminghausstraße. Aber es kommen einfach nicht genug Kundinnen und Kunden. Einige Ärzte aus der Umgebung sind ebenfalls weggezogen. Übrig sind noch eine Hausarztpraxis und ein Kinderarzt. Die Patientinnen und Patienten von dort kamen in die Kaiser-Wilhelm-Apotheke und haben schnell ihre Rezepte eingelöst. Aber das reicht nicht, um das Personal und die anderen Kosten zu bezahlen. Deshalb musste sich Apothekerin Annika Ewald entscheiden und die Apotheke schließen, das Personal entlassen. Das erzählt mit Tränen in den Augen Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl.
Wie reagieren in Essen die Kundinnen und Kunden der Kaiser-Wilhelm-Apotheke?
Kundinnen und Kunden in Essen der Kaiser-Wilhelm-Apotheke sind traurig, dass die Apotheke geschlossen ist. Sie müssen sich erst dran gewöhnen, dass sie jetzt in die andere Apotheke am Bahnhof Altenessen gehen können. Der Weg ist für sie weiter, viele können nicht so gut laufen, erzählt eine Stammkundin der Kaiser-Wilhelm-Apotheke. Aber sie kann auch verstehen, dass die Apothekerin so entscheiden musste.
Für die Kundinnen und Kunden ändert sich auch nicht viel. Sie müssten jetzt nur eine andere Telefonnummer anrufen und dann werden die Medikamente auch weiterhin nach Hause geliefert, betont Apothekerin Annika Ewald. Die Stammkundin findet es aber trotzdem schade, sagt die im Gespräch mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl.
Wie gut sind in Essen alle mit Apotheken versorgt?
In Essen gibt es aktuell 109 Apotheken. Das sind die aktuellen Zahlen der Apothekerkammer. Hanno Höhn, Sprecher der Essener Apothekerinnen und Apotheker erklärt, dass damit immer noch alle Essenerinnen und Essener gut versorgt seien. In den letzten Jahren schließen auch nur noch wenige Apotheken. Ende 2025 gab es 112 Apotheken in der Stadt. Vor 20 Jahren haben hier viele Apotheken geschlossen, da gab es in Essen noch um die 200 Apotheken.
Jetzt sind es nur noch die Hälfte. Damit werden die Wege für die Patientinnen und Patienten weiter, sagt Höhn. Aber viele Apotheken bieten deswegen auch Lieferdienste an und bringen die Medikamente nach Hause. Das geht auch immer noch schneller als die Bestellung online, sagt Apothekerin Annika Ewald. Wenn jemand bei ihr bis Mittag ein Medikament bestellt, dann kann sie das bis zum Abend liefern. So schnell sind Onlineapotheken noch nicht.




