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Der Kennedyplatz mitten in der Innenstadt, geschmückt mit bunten Fähnchen.
© Amelie Hoff/EMG
Der geschmückte Kennedyplatz mitten in der Innenstadt.
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Aggressives Betteln in Essen - was hilft dagegen?

Sommer in der Innenstadt von Essen - die Menschen sitzen im Café und genießen es. Aber häufig ist der Spaß vorbei, wenn die Gäste aggressiv angebettelt werden.

Veröffentlicht: Montag, 27.07.2026 14:08

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Was sagen Gäste und Gastronomen in Essen zu Bettlern?

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"Katastrophal", so schildert Gastronom Alexander Brahmbrink die Lage in der Innenstadt. Die Gäste werden immer wieder angebettelt, Essen wird vom Teller genommen. Seine Mitarbeiterinnen wollen abends nicht mehr arbeiten, weil sie Angst haben, wenn sie nach der Schicht nach Hause gehen. Er fordert Regeln und hofft auf ein neues Verbot für Bettler in der Innenstadt. CDU und SPD haben die Stadt in der letzten Ratssitzung aufgefordert, temporäre Aufenthaltsverbote zu prüfen.

Außerdem soll die Stadt prüfen, ob es einen festgeschriebenen Abstand rund um die Außengastronomie geben könnte, in dem das Betteln verboten ist. Per Gesetz ist aggressives Betteln nicht erlaubt, auch das Betteln mit Kindern und das Vortäuschen von Blindheit und Taubheit sind verboten. Deshalb gibt es regelmäßig Einsätze des kommunalen Ordnungsdienstes und der Polizei. Wenn jemand beim aggressiven Betteln erwischt wird, werden Platzverweise erteilt oder Bußgelder ausgesprochen. Das alles hilft aber nicht immer, stellen die Gäste auf dem Willy-Brandt-Platz, der Kettwiger Straße und auf dem Kennedyplatz bei einer Radio Essen-Umfrage klar.

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Bartl Anna
Radio Essen-Umfrage in der Innenstadt
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Helma Hurenkamp, Chefin des Blumenstands auf der Kettwiger Straße, fürchtet, dass die Innenstadt immer mehr an Attraktivität verliert und immer weniger Menschen kommen.

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Bartl Anna
Radio Essen-Interview mit Helma Hurenkamp vom Blumenstand
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Warum sind Menschen in Essen gezwungen zu betteln?

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Die Gründe, warum in Essen so viele Menschen auf der Straße leben und zum Betteln gezwungen sind, sind sehr verschieden. Bei manchen geht die Beziehung in die Brüche, wieder andere verlieren Job und Freunde und rutschen auf der sozialen Leiter nach unten. Andere wieder haben schlechte Erfahrungen in der Kindheit oder als Jugendliche gemacht und sind drogenabhängig geworden.

Bei vielen reicht das Geld aus der Grundsicherung nicht aus, sie sammeln lieber Flaschen und Dosen, um nicht betteln zu müssen. Sie sagen, dass nur ein kleiner Teil von ihnen aggressiv wird beim Betteln und machen sich darüber auch Sorgen. Im Gespräch mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl erzählen sie, was sie darüber denken.

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Das Mikro an schwarzem Stil mit rotem Schaumstoff-Ploppschutz mit dem Logo von Radio Essen drauf.
Bartl Anna
Radio Essen-Umfrage bei den Fairsorgern
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Unsere Radio Essen-Stadtreporterin hat die Menschen bei den Fairsorgern in der nördlichen Innenstadt getroffen. Dort ist ihr auch Mark begegnet. Er hat monatelang in einem Van gelebt und war ebenfalls drogenabhängig. Nach einem schweren Unfall hat er einen Entzug gemacht, hat wieder einen Job und hilft jetzt selbst bei den Fairsorgern. Die Fairsorger machen ihre Arbeit ehrenamtlich und suchen immer wieder Unterstützung.

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Bartl Anna
Radio Essen-Interview mit Mark, Fairsorger
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Welche Hilfe gibt es in Essen bei den Fairsorgern?

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Die Fairsorger in Essen sind seit zehn Jahren ein Verein, der wohnungslose und hilfsbedürftige Menschen mit Mahlzeiten, Schlafsäcken und Hygieneartikeln versorgt. Drei Mal in der Woche können die Menschen dort abends zusammen essen. Die Fairsorger kümmern sich um ihre Gäste und helfen mit vielen Tipps, wo die Menschen weitere Hilfe bekommen können. Hier können sie durchatmen und über ihre Sorgen sprechen. Wenn es bergauf geht, sie wieder einen Job und eine Wohnung finden, dann wird das gemeinsam gefeiert.

Ingrid Steinhauer-Sarr ist seit zehn Jahren die Chefin der Fairsorger und kennt viele Lebensgeschichten. Sie weiß, wie leicht man abrutschen kann. Seit der Corona-Pandemie geht es immer schneller, hat sie das Gefühl. Sie versteht aber auch, wenn sich Gäste im Café von Bettlern belästigt fühlen. Sie rät: Ruhe bewahren und klar und deutlich sagen, ob man bereit ist zu spenden oder nicht. Auch sie wird immer wieder mal angebettelt, erzählt sie.

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Bartl Anna
Radio Essen-Interview mit Ingrid Steinhauer-Sarr, Fairsorger
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Welche Hilfe bietet in Essen das Diakoniewerk an?

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Radio Essen hat mit zwei Streetworkerinnen vom Diakoniewerk Essen gesprochen. Emeli Kaebler und Celina Ruff sind regelmäßig in der Innenstadt unterwegs. Jetzt im Sommer, an den heißen Tagen, verteilen sie Wasser, Wassereis und Sonnenschutz an wohnungslose Menschen. Das Diakoniewerk sammelt dafür zudem extra Spenden von Unternehmen, um die Menschen mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen.

Sie sehen viele, die entweder ihre gesamte Kleidung weitertragen, obwohl ihnen damit viel zu heiß ist. Andere wieder werfen alles weg und haben dann ein paar Tage später, wenn es kälter wird, nichts warmes zum Anziehen. In der Stadt fehlen Bäume und es gibt nicht genügend Schatten, sagen beide Frauen und wünschen sich mehr Rückzugsorte für die Menschen. Außerdem müsse das Problem an sich angegangen werden. Ihr Wunsch ist es, dass die Gastronomen nicht aggressiv auf die Menschen reagieren und ihnen auf Augenhöhe und mit Wertschätzung begegnen.

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Bartl Anna
Radio Essen-Interview mit Streetworkerinnen der Diakonie
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In der Beratungsstelle für wohnungslose Männer und Frauen betreut das Team im Jahr rund 2000 Menschen. Dazu gehört unter anderem, dass dort viele eine Postadresse haben und regelmäßig ihre Post abholen können. Das ist wichtig, damit sie ein Bankkonto haben und Leistungen beantragen können, erklärt Janina Bewer vom Diakoniewerk im Interview mit Radio Essen. Im letzten Jahr haben mehr als 24.000 Mal wohnungslose Menschen in den Notschlafstellen übernachtet. Mehr als 400 Menschen haben sich Hilfe bei den Suchtberatern geholt.

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Bartl Anna
Radio Essen-Interview Janina Bewer, Diakoniewerk
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Wie bewertet die Suchthilfe in Essen die Situation?

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Die Stadt Essen setzt zusammen mit der Suchthilfe, einer Tochtergesellschaft der Stadt, weiter auf Prävention. Zum Beispiel soll der Parkplatz an der Hoffnungsstraße umgebaut werden, damit mehr Platz zum Warten ist. Zuletzt haben wieder mehr Menschen den Drogenkonsumraum der Suchthilfe genutzt. 55 Prozent mehr Menschen waren das im ersten Halbjahr diesen Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum im letzten Jahr, sagt Bärbel Marziniak, Chefin bei der Suchthilfe gGmbH.

Das liegt unter anderem daran, dass hier inzwischen alle Plätze unter anderem zum Crack-Rauchen genutzt werden können. Dafür gab es jetzt die Genehmigung vom NRW-Gesundheitsministerium. Seit vier Jahren hat sich die Szene verändert, sagt sie weiter. Immer mehr Drogenabhängige nehmen Crack. Das putscht auf und macht aggressiv, außerdem hält der Rausch nur kurz an. Der Druck, neuen Stoff zu besorgen, ist deswegen sehr hoch.

Außerdem wird der Druck durch die SafeCity-Einheit der Polizei immer höher. Die Polizisten schicken die Menschen an die Hoffnungsstraße. Morgens stehen dort inzwischen bereits 50 bis 60 Menschen und warten. Zwar nutzen mehr Menschen als früher das Café, doch durch den hohen Beschaffungsdruck sind die Drogenabhängigen immer auf der Suche nach Geld, sagt Bärbel Marziniak. Dabei werden sie auch aggressiv.

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Was will die Stadt Essen unternehmen?

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Die Stadt Essen hat schon viele unterschiedliche Projekte angestoßen, um die Situation in der Innenstadt zu verbessern. Klar ist allen aber auch, dass es keine Innenstadt geben wird, in der keine wohnungslosen und drogenabhängigen Menschen unterwegs sind. Zuletzt hat die Suchthilfe eine Projekt gestartet, bei dem Streetworker mit Pflegern aus der Psychiatrie unterwegs sind. Die Pfleger können relativ schnell erkennen, wenn neben der Drogenabhängigkeit noch weitere psychische Probleme vorliegen und die Menschen entsprechende Medikamente brauchen. Dann können sie relativ schnell in der Klinik behandelt werden.

Außerdem investiert die Stadt in die Sauberkeit in der Innenstadt. Dort sind die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Essen mehrmals pro Tag unterwegs. Schwierig wird es immer dann, wenn die Truppe gerade durch ist und danach wieder jemand seinen Müll verteilt oder wenn auf privaten Grundstücken wochenlang Sperrmüll rumliegt und nicht weggebracht wird.

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Was machen andere Städte wie Bremen?

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In Bremen gilt seit Juni 2024 ein schärferes Verbot gegen aggressives Betteln. Auch hier haben sich vor allem Gastronomen beschwert. Menschen dürfen in der Außengastronomie nur dann um Hilfe bitten, wenn das der Inhaber ausdrücklich erlaubt. Die Situation habe sich so verbessert, erklärt eine Sprecherin der Senatorin für Inneres und Sport auf Radio Essen-Nachfrage. Die Gastronomen nehmen das Angebot an und rufen den Ordnungsdienst dazu, wenn sie Probleme mit dem Betteln haben. Seitdem das Verbot eingeführt wurde, haben die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes 48 Anzeigen aufgenommen, zwei davon in der Außengastronomie. Bisher wurde aber nur fünf Mal ein Bußgeld bezahlt, bei vier Fällen steht die Zahlung noch aus und in weiteren Verfahren müssen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes noch den Aufenthalt der Personen ermitteln.

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