
Daktari in Essen ist die älteste inhabergeführte Bar der Stadt
Montagmorgen, 6 Uhr, Großmarkt in Essen. Während ein großer Teil von Essen noch im Halbschlaf ist, beginnt für Sven Momber ein wichtiger Teil seiner Woche. Frisches Obst, Gemüse und Kräuter wandern über den Tresen. Es ist der Anfang einer zwölfstündigen Vorbereitungsschicht – der unsichtbare Motor hinter der ältesten inhabergeführten Cocktailbar der Stadt: dem Daktari.
Cocktails im Daktari in Essen aus der Zentrifuge
Das Daktari ist keine klassische Cocktailbar. Wer hier einen Drink bestellt, bekommt oft das Ergebnis von kleinen Experimenten. Zentrifugen, Sous-vide-Garer, selbst entwickelte Essenzen – „Wir arbeiten ein bisschen wie Köche“, sagt Sven Momber. Stillstand gibt es dabei nicht, "es ist nie fertig".
Die Zentrifuge ist der bislang letzte Traum, den sich der 35-Jährige erfüllt hat. Sie macht Getränke glasklar, quasi durchsichtig. Was aussieht wie Wasser, könnte dann nach Pina Colada schmecken. „Die Idee kommt aus dem Labor“, sagt Momber, der früher mal Biologie studiert hat.
"Ich habe das damals gesehen und irgendwie bin ich auf die Idee gekommen, dass man das ja nicht nur zum Blutplasmatrennen verwenden könnte und habe das dann einfach zweckentfremdet.“
Seit neun Jahren ist Sven Momber der Inhaber des Daktari. Übernommen hat er die Bar am 1. April - dem Jubiläumstag der Bar und sein eigener Geburtstag.
120 Zutaten im Daktari sind selbstgemacht
Betritt man das Daktari, fühlt sich die Welt ein wenig anders an. Zwischen geschnitzten Figuren, warmem Licht und Tiki-Elementen entsteht eine Atmosphäre irgendwo zwischen Afrika-Fantasie und den 30er- und 40er-Jahren. Der Name selbst geht auf einen früheren Besitzer zurück – ein Fan der Serie „Daktari“.
Rund 120 Zutaten stellt Sven mit seinem Team inzwischen selbst her. Liköre, Sirupe und sogar das Eis. Eine japanische Eismaschine sorgt für besonders klares Eis.
"Ich liebe das. Diese ganzen Sachen zuzubereiten und Produkte zu haben, wo man zu einhundert Prozent hinterstehen kann, das liebe ich.“
So entstehen besondere Drinks mit Papaya-Erdnuss-Cashew-Essenzen, Baklava-aromatisierter Bourbon oder ein alkoholfreier Gin, der durch Sous-vide nach Tiramisu schmeckt. Drinks, so ausgefallen wie die Einrichtung.
Daktari in Essen: Alle zusammen am Tisch
Entscheidend ist nicht nur der Geschmack – sondern auch das Aroma. Der Moment, in dem ein Gast das Glas zum Mund führt und schon vorher riecht, was ihn erwartet. Einer dieser Momente entstand während der Corona-Zeit, gemeinsam mit der Lichtburg. Für einen Abend entwickelte das Daktari einen Drink mit dem echten Kino-Popcorn aus der Lichtburg.
Das Popcorn wurde angebraten und in Zuckersirup gepackt. Der Drink mit dem Popcorn-Zuckersirup, serviert im Glas, das in einer Popcorntüte steckte, war schnell ausverkauft. Ein Drink, mit einem Stück Essener Stadtgeschichte.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die das Daktari so besonders macht. Hier sitzen Studierende neben Stammgästen, junge Leute neben Konzertbesuchern aus der Philharmonie. „Alle werden zusammen an die Tische gesetzt“, sagt Momber. Reservierungen gibt es nicht - „und es funktioniert“.
Natürlich hat all das auch seinen Preis. Zwölf Stunden Vorbereitung, hochwertige Zutaten, Energie, Personal. Das muss sich irgendwann im Preis widerspiegeln. Doch das funktioniert seit einem viertel Jahrhundert. Und in 25 Jahren? „Ich hoffe, es gibt uns dann noch – und ich lebe meinen Traum immer noch.“





