Sie sind hier: Essen / Highlights / Diesel-Fahrverbote
 

Diesel-Fahrverbote

Auch in der Stadt Essen soll es ab Juli 2019 Diesel-Fahrverbote geben. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat am 15.11.2018 entschieden, dass in 18 Essener Stadtteilen keine älteren Diesel-Autos mehr fahren dürfen. Auch die A40 ist betroffen. Hier geht es zur Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts.

Das Land NRW will gegen das Urteil von heute Berufung einlegen.

Hintergrund der Gerichtsverhandlung war eine Klage der Deutschen Umwelthilfe. Sie wollte damit durchsetzen, dass in Essen der Grenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter zukünftig eingehalten wird.

Auch für Gelsenkirchen, Bonn und  Köln haben Gerichte bereits Fahrverbote verhängt.

Die Fahrverbotszone für Essen.

Zum 1. Juli 2019 muss in der derzeitigen grünen Umweltzone eine sogenannte "blaue Umweltzone" errichtet werden. Folgende Stadtteile sind betroffen:

  • Frohnhausen
  • Holsterhausen
  • Altendorf
  • Rüttenscheid
  • Westviertel
  • Nordviertel
  • Vogelheim
  • Altenessen-Süd
  • Altenessen-Nord
  • Südviertel
  • Stadtkern
  • Ostviertel
  • Südostviertel
  • Huttrop
  • Frillendorf
  • Steele
  • Kray
  • Leithe

Außerdem auch die Teilstrecke der A 40 durchs Essener Stadtgebiet. Damit wäre Essen die erste Stadt in Deutschland mit einem Diesel-Fahrverbot auf einer Autobahn.

Die Stickstoffdioxid-Messstelle an der Hausackerstraße.

In der gesamten Zone muss laut Gerichtsurteil ab Juli 2019 ein Fahrverbot für Diesel-Autos mit Euro-4-Motoren und älter eingeführt werden. Ab September 2019 dann auch für Diesel-Autos der Klasse Euro-5. Aber auch Autos mit Benzin-Antrieb sind betroffen: Für Fahrzeuge mit Ottomotoren der Klassen Euro 2/II und älter muss es ebenfalls ein Fahrverbot geben. Insgesamt sind bei uns in der Stadt 52.000 Fahrzeuge betroffen. Hier gibt es übrigens Antworten der Stadt auf die wichtigsten Fragen zum Thema Diesel-Fahrverbote.

Damit das Diesel-Auto nicht auf den Schrott wandern muss, kann man es nachrüsten lassen. Dabei unterscheidet man zwischen Software-Updates und Hardware-Nachrüstung, die meist kombiniert werden. Die Software-Updates legen die aufgespielte Manipulations-Software lahm. Bei der Hardware-Nachrüstung wird ein zweiter Tank auf den Diesel-Tank gebaut. Der spritzt eine wässrige Harnstofflösung in die Abgase, die den Stickstoffdioxid-Ausstoß verringert.

Werkstatt Verhoeven zur Nachrüstung

Bei uns in Essen können lediglich manche Werkstätten die Software-Updates durchführen. Aber auch nur die, die mit den betroffenen Automarken zusammenarbeiten. Was die Hardware-Nachrüstung betrifft, sind viele Essener Werkstätten aber noch ratlos. Wir haben mit Mechaniker Guido Verhoeven von der Werkstatt Verhoeven aus der Innenstadt darüber gesprochen. Er würde den Kunden gerne helfen - kann es aber nicht. 

Dabei beschäftigen sich viele Essener mit der Nachrüstung. Guido Verhoeven muss viele Kunden enttäuschen.

Die Softwareupdates für Euro-5 Diesel kann Guido auch nicht durchführen, dass machen die Hersteller von VW, Audi und Co. selbst. Allerdings weiß er, welche Konsequenzen das hat, wenn Dieselfahrer dieses Update nicht machen und weiter ohne herumfahren.

Das ist das Problem bei der Hardware-Nachrüstung

Die Firma Twintec aus Königswinter entwickelt die zusätzlichen Tanks für betroffene Diesel-Autos. Allerdings liefert Twintec nicht aus und deshalb können die Werkstätten die Autos noch nicht umrüsten.

Twintec schreibt selbst auf seiner Website, dass das Unternehmen noch auf eine Entscheidung aus der Politik wartet. Lange war nämlich unklar, wer die Kosten der Nachrüstung trägt.

Das Bundesministerium für Verkehr sagt: Euro-5 Diesel-Besitzer bekommen von den Herstellern VW und Audi einen Zuschuss von maximal 3.000 Euro. BMW will keine Kosten übernehmen.

Das Thema Nachrüstung war am Mittwoch noch Thema im NRW-Landtag. So hat sich Umweltministerin Ursula Heinen-Esser dazu geäußert:

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat für Essen ein ziemlich hartes Urteil verhängt, das sogar den Kläger, die Deutsche Umwelthilfe, überrascht hat. Aber das ging nicht anders, sagt Wolfgang Tewes vom Verwaltungsgericht.

Das Dieselverbot soll in zwei Schritten kommen: Ab Juli für alle Diesel bis Euro 4, ab September dann auch für Euro 5. Da könnte aber noch einiges dazwischen kommen.


Und das sagen die Essener zum Urteil über Diesel-Fahrverbote:

Gabi und Kerstin sehen das Ganze positiv. Sie wohnen an der Krayer Straße in Steele und hoffen, dass durch das Fahrverbot nicht nur weniger Dieselautos unterwegs wären, sondern insgesamt weniger Autos an ihrem Haus vorbeifahren. Denn die Krayer Straße führt direkt zur A40 und da ist ganz schön was los.

Ohne Diesel keine Kirmes! Achterbahnen, Fressbuden und Stände wiegen bis zu 60 Tonnen, da braucht es große LKW zum transportieren. Die fahren aber alle mit Diesel. Der Essener Oliver Müller ist Präsident des Landesverband für Schausteller und sieht große Probleme auf die Schausteller zukommen, sollte es keine Sonderregelungen geben. Vor allem, weil es derzeit keine Alternative zum Diesel LKW gibt. Einige Schausteller haben in den letzten Jahren auf Euro 4 umgerüstet, damit sie in den Umweltzonen weiterfahren dürfen. Allerdings sollen Euro 4 Diesel bald auch verboten werden. Jetzt müsste erneut umgerüstet oder sogar neu gekauft werden, die Fahrzeuge, die so groß sind sind allerdings so teuer, dass man sie nicht schnell mal neu anschaffen könnte, so Müller. Er hofft deshalb auf Sonderregelungen für Schausteller. 

Auch viele Handwerker fahren mit einem Diesel. Alternativen gibt es wenig, LKW und Transporter, die die aktuelle Schadstoffklasse 6 erfüllen gibt es kaum. Stefan Holtkamp aus Holsterhausen ist Bäcker und hat schon vor Jahren viel Geld in sein E-Auto investiert. Trotzdem kann er verstehen, das viele Handwerker noch auf einen Diesel angewiesen sind. Er fahre am Tag so 70 bis 80 km, meist kurze Strecken innerhalb des Stadtgebiets, viel Stop an Go. Da lohne sich ein E-Auto. Aber für jemanden der lang und viel fährt sei das sicher nicht das Richtige, findet er. 

Die beiden Dachdecker Rainer und Lutz Mölenkamp aus Frohnhausen sagen: Es gibt auch gar keine Elektroautos, die ihren Anforderungen gerecht werden. Transporter baue im Moment nur die Post und da sei die Ladefläche zu kurz, außerdem dürfen da nur maximal zwei Leute mitfahren. Rainer Mölenkam sagt, dass er schon wegen der Umweltplakette seinen Fuhrpark erneuert hat. Jetzt nochmal den ganzen Fuhrpark zu erneuern, das wäre finanziell eigentlich gar nicht zu stemmen. 


Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen reagierte überrascht auf das harte Urteil des Verwaltungsgerichts. Er schiebt die Schuld vor allem auf die Untätigigkeit der schwarz-gelben Landesregierung. Er selbst spricht sich weiter deutlich gegen Fahrverbote aus.

Gleichzeitig macht der Oberbürgermeister Hoffnung auf Ausnahmeregelungen - und darauf, dass solche Fahrverbote langfristig gesehen auch wieder zurückgenommen werden könnten.


Hörer Fuat aus dem Südviertel schiebt der Stadt Essen den Miesepeter zu. Er sagt, wegen der vielen und unkoordiniert gelegten Baustellen habe sie die hohe Stickstoffdioxidbelastung bei uns in Essen quasi herausgefordert.

Verkehrsrechtler Arndt Kempgens zu Diesel-Fahrverboten

Radio Essen-Moderator Timm Schröder hat mit Arndt Kempgens gesprochen, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Gelsenkirchen. Timm wollte vor allem wissen: Ist es wahrscheinlich, dass bei uns in Essen im nächsten Jahr keine alten Dieselfahrzeuge fahren dürfen?

Das LANUV zu Stickstoffdioxid-Werten in Essen

Zu hohe Stickstoffdioxid-Werte - auch bei uns in der Stadt. Deshalb drohen Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Gemessen werden diese Werte unter anderem vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW bei uns in Schuir. Die letzten Werte stammen aus 2017. Radio Essen-Moderator Timm Schröder wollte deshalb von Birgit Kaiser de Garcia vom LANUV wissen: Sind die Werte vielleicht in diesem Jahr 2018 wieder gesunken, sodass gar keine Fahrverbote mehr nötig sind?

Uni-Professor Michael Schreckenberg zu Fahrverboten

Der Stauforscher Michael Schreckenberg befürchtet, dass Fahrverbote zu noch mehr Staus oder Überlastungen des öffentlichen Nahverkehrs führen können. Radio Essen-Moderator Timm Schröder hat ihn nach seinen Lösungsansätzen für das Dieselproblem gefragt. Außerdem fragte er nach einer Einschätzung zu einer möglichen Sperrung der A40 für Dieselfahrzeuge.

RVR-Mobilitätsanalyse

Der Regionalverband Ruhr hat Mitte November seine Analyse zur Mobilität im Ruhrgebiet vorgestellt. Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des RVR, sagt wir müssen jetzt endlich tätig werden und im Ruhrgebiet andere Verkehrsmittel als das Auto stärken. Da müssten wir alle helfen, das könne die Stadt Essen nicht allein schaffen. 

 

 

Gernot Steinberg ist Verkehrsplaner und hat an der neuen Mobilitätsstudie des RVR mitgearbeitet. Er glaubt nicht daran, dass die Diesel-Fahrverbote so umgesetzt werden, wie sie aktuell geplant sind. Er sagt aber auch: Man hätte viel früher reagieren können und müssen. Der öffentliche Nahverkehr müsste insgesamt gestärkt werden, wichtig sei außerdem eine Verknüpfung mit dem Radverkehr.

 

 

Das könnte Euch auch interessieren:


Weitersagen und kommentieren
...loading...