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Bombe in Rüttenscheid

In Rüttenscheid an der Gummertstraße wurde ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Sie wurde am Montag, 04.02., entschärft. Das haben die Verantwortlichen von Stadt, Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst entschieden. Es handelte sich um eine amerikanische 5-Zentner-Bombe mit Aufschlagzünder. Sie lag direkt gegenüber des Alfried Krupp-Krankenhauses. Dieses musste nicht komplett evakuiert werden, wie anfangs befürchtet. Es musste nur der vordere Gebäudeteil, der direkt gegenüber des Blindgängers lag, geräumt werden. Der innere Evakuierungsbereich betrug bei dieser Bombe 250 Meter, der äußere Kreis 500 Meter (luftschutzmäßges Verhalten).

Alle Anwohner, die im inneren Kreis wohnen, müssen am Montag ihre Häuser verlassen. Auch Büros und Geschäfte werden geräumt. Innerhalb des äußeren Rings sollen sich die Menschen luftschutzmäßig verhalten. Das heißt: In der Wohnung bleiben und Fenster und Türen geschlossen halten.

Bombe erfolgreich entschärft

So sehen sie aus, die amerikanische Fünf-Zentner Bombe und ihre Entschärfer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Die Entschärfung der amerikanischen Fünf-Zentner Bombe in Rüttenscheid ist problemlos verlaufen.

Die Entschärfung in Zahlen:

  • Insgesamt waren von dem Bombenfund rund 4.263 Essenerinnen und Essener sowie rund 342 Patientinnen und Patienten im Alfred-Krupp-Krankenhaus betroffen.
  • Aufgrund der Tageszeit mussten die Hilfskräfte aber nur wenige Menschen evakuieren.
  • Die Hilfsorganisationen haben 22 Krankentransporte durchgeführt.
  • In der Betreuungsstelle wurden 19 Personen betreut.
  • Den Einsatz haben insgesamt 282 Kräfte von Feuerwehr, RGE, Polizei, Autobahnpolizei, Ordnungsamt, Ruhrbahn und der unterschiedlichen Hilfsorganisationen betreut.
  • Rund 280 Bürgerinnen und Bürger haben sich an dem eingerichteten Bürgertelefon über die Entschärfung informiert.

Laut Stadt Essen sind alle Beteiligten mit dem Verlauf des Einsatzes zufrieden. Oberbürgermeister Thomas Kufen sowie Ordnungsdezernent Christian Kromberg haben sich sowohl im Krisenstab der Feuerwehr als auch im Alfried-Krupp-Krankenhaus über die aktuelle Situation informiert. Beide haben sich ausdrücklich bei allen Beteiligten für die gute Planung und Durchführung der heutigen Entschärfung bedankt.

Montag, 04.02.2019

Die Bombe wurde in der Nähe des Alfried Krupp-Krankenhauses gefunden. Hier haben Hilfskräfte Patienten verlegt und OP-Termine verschoben.

12.47 Uhr: Die Bombe wurde erfolgreich entschärft.

12.00 Uhr: Die Bombenentschärfung hat begonnen.

11:50 Uhr: Die Vorbereitungen für die Entschärfung beginnen.

11.29 Uhr: Die A52 ist zwischen Rüttenscheid und Bergerhausen gesperrt.

11.08 Uhr: Der äußere Ring wird jetzt geschlossen, niemand darf ihn mehr betreten oder hineinfahren, Anwohner in diesem Bereich müssen in ihren Wohnungen bleiben. Der U-Bahnhof Florastraße wird außerdem gesperrt und die Vorbereitungen für die Autobahn-Sperrung laufen langsam an.

10.36 Uhr: Die Helfer führen einzelne Krankentransporte durch. Parallel laufen im Alfried Krupp-Krankenhaus Prüfungen, wie bereit das Krankenhaus für die Evakuierung ist.

10.25 Uhr: Polizei und Rettungskräfte besetzen insgesamt 45 Sperrstellen, 17 im inneren Kreis. An den Sperrstellen halten sie Menschen davon ab, den gesperrten Bereich zu betreten. Insgesamt sind dabei 282 Kräfte im Einsatz.

So sieht es aus, wenn die beteiligten Hilfsorganisationen sich absprechen: Ein Bild vom Krisenstab in der Feuerwache an der Eisernen Hand. Foto: Mike Filzen, Feuerwehr Essen (Foto nicht aktuell)

8.40 Uhr: Die Autobahn A52 ist von der Entschärfung ebenfalls betroffen. Die Auf- und Abfahrt Bergerhausen wird während der Entschärfung Richtung Düsseldorf gesperrt.

8.28 Uhr: Ab ca. 10 Uhr beginnt das Ordnungsamt mit den Durchsagen für die Evakuierung des inneren Kreises.

8.02 Uhr: Die Betreuungsstelle ist in der Käthe-Kollwitz-Grundschule an der Christinenstraße. Sie ist ab sofort geöffnet für alle, die aus ihren Wohnungen müssen.

7.30 Uhr: Die Stadt hat eine Infohotline eingerichtet. Die Nummer ist:0201/123-88 88.

7.00 Uhr: Der Krisenstab trifft sich an der Eisernen Hand im Ostviertel, um die letzten Details zu klären. Da geht es zum Beispiel darum, wie viel Personal benötigt wird und welche Hilfsmittel bestellt werden müssen oder darum, wie die Kommunikation ablaufen soll.

Freitag, 01.02.2019

14:15 Uhr: Die Mitarbeiter im Krankenhaus stellen sich langsam auf die Evakuierung ein. Es müssen Patienten aus dem Teil des Gebäudes verlegt werden, der sich direkt gegenüber des Blindgängers befindet. Wieviele Patienten genau betroffen sind, ist noch nicht klar. Sie sollen aber innerhalb des Krankenhauses in anderen Etagen und Räumen untergebracht werden. Eventuell müssen einige Patienten auch in das Krupp-Krankenhaus in Steele gefahren werden, da ist aber noch nicht ganz klar. Die Vorbereitungen sollen bis Montag Morgen abgeschlossen sein.
Nach jetzigem Stand werden im inneren Kreis etwa 900 Menschen betroffen sein, im äußeren Kreis circa 3300 Menschen.

13:50 Uhr: Die Verantwortlichen entscheiden, dass die Bombe am Montag, 4.2., entschärft wird.

Donnerstag, 31.01.2019

Do, 09:15 Uhr: Die Stadt bestätigt einen Blindgänger-Fund an der Gummertstraße in Rüttenscheid. Er liegt auf einer Baustelle, wo später Einfamilienhäuser entstehen sollen. Bei Bagger-Arbeiten wurde die Bombe gefunden. Das Besondere: Die Bombe liegt auf einem Gelände direkt gegenüber des Alfried Krupp-Krankenhauses. Normalerweise sollen Blindgänger so schnell wie möglich entschärft werden, bestenfalls noch am selben Tag. Doch dieses Mal müssen Stadt, Kampfmittelräumdienst, Ordnungsamt und Feuerwehr überlegen, wie sie die Menschen im Krankenhaus schützen können.

Zur Entschärfung muss eventuell das ganze Krankenhaus evakuiert werden. Das soll am Freitag Vormittag bei einem Abstimmungsgespräch zwischen der Stadt, der Feuerwehr, dem Kampfmittelräumdienst und dem Krankenhaus geklärt werden. Bis jetzt sorgt die Entschärfung für keine besorgten Gespräche in den Krankhausfluren, sagte uns eine Sprecherin des Krankenhauses.

Sofort evakuieren und entschärfen

Bomben-Blindgänger müssen so schnell wie möglich entschärft werden. So steht es seit Anfang 2014 in der Verordnung der Bezirksregierung Düsseldorf. In der Regel rücken die Entschärfer seitdem noch am selben Tag aus. Die Menschen rund um den Fundort müssen wenige Stunden nach dem Fund aus ihren Häusern und Büros raus. Auch nachts oder am Wochenende kann entschärft werden. In Ausnahmefällen kann eine Bombenentschärfung verschoben werden. Zum Beispiel, wenn ein Krankenhaus geräumt werden muss.

Schnell räumen und absperren

Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr brauchen bei einer Bombenentschärfung viele Helfer. Sie fahren als erstes mit Lautsprecherwagen durch die umliegenden Straßen. Gleichzeitig werden schon die ersten Straßen gesperrt. Außerdem wird eine Sammelstelle eingerichtet für alle, die nicht bei Familie oder Freunden unterkommen. Anschließend machen die Helfer eine zweite Kontrolle, ob wirklich alle Anwohner raus sind. Dann werden alle Straßen im Umkreis gesperrt und die Entschärfung kann beginnen.

Alle müssen raus

Die Helfer dürfen die Menschen rund um die Bombe zwingen ihre Wohnungen zu verlassen. Wer sich weigert, muss seit Anfang 2017 ein deftiges Bußgeld zahlen. Zwischen 500 und 1000 Euro werden fällig. Verweigerer hatten Bombenentschärfungen vorher teilweise um Stunden verzögert.

Zwei Arten von Bomben

Bomben mit Aufschlagzünder funktionieren mechanisch. Beim Aufprall sollte die Zündnadel die Explosion auslösen. Desto länger die Bombe im Boden liegt, umso unberechenbarer wird sie. Bei der Entschärfung dreht der Experte den Zünder heraus und macht die Bombe so unschädlich.

Bomben mit Säure- oder Langzeitzünder sind insgesamt gefährlicher. Eine chemische Reaktion sollte die Explosion Stunden nach dem Aufprall auslösen. So sollten im Krieg Menschen auch lange nach einem Luftangriff noch überraschend getroffen werden. Wenn ein Blindgänger bewegt wird, kann die chemische Reaktion auch Jahrzehnte danach noch auslösen. Deshalb müssen diese Bomben kontrolliert gesprengt werden.

Bei jeder Bombe prüfen die Sprengmeister als erstes die Sprengkraft. Danach entscheiden sie über den Radius, der rund um den Fundort gesperrt wird. Über Essen und dem Ruhrgebiet sind im Zweiten Weltkrieg besonders viele Bomben abgeworfen worden. Die Alliierten wollten damit die Rüstungs- und Stahlindustrie treffen. Wie viele Bomben über Essen abgeworfen wurden, kann niemand sagen. Experten schätzen, dass auch in den nächsten 50 bis 70 Jahren weiter regelmäßig Bombenblindgänger gefunden werden.

Wie wird eine Bombe entschärft?

Als Leiter der Sprengschule Dresden ist Günter Fricke Experte. Er bringt anderen bei, wie man eine Bombe richtig entschärft. Ruhige Hände und starke Nerven sind wichtig!

Eine Bombe entschärfen: Würdet Ihr Euch das zutrauen?

Wenn man so eine alte Fliegerbombe aus dem Boden buddelt, sieht die erstmal nicht gefährlicher aus, als alte Tonkrüge aus dem Mittelalter. Drum herum ist nur Dreck und Rost zu sehen, aber die 250 Kilogramm Sprengstoff innen drin rosten eben nicht! Deshalb sind die Blindgänger auch heute noch gefährlich. Eine Bombe entschärfen - da braucht es wirklich ruhige Nerven. Wir haben Essener gefragt, ob sie sich das zutrauen würden.

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