ThyssenKrupp-Chef Kerkhoff soll gehen

Eigentlich läuft sein Vertrag noch bis 2023, Guido Kerkhoff wird seinen Posten als Vorstandsvorsitzender aber wohl sehr viel früher verlassen. Der Personalausschuss des Aufsichtsrates hat dem Aufsichtsrat überraschend empfohlen, "Verhandlungen über eine zeitnahe Beendigung seines Vorstandsmandates aufzunehmen".

Das gläserne Würfelgebäude von Thyssen-Krupp im Essener Westviertel.
© Radio Essen

ThyssenKrupp steckt schon lange in der Krise, Kerkhoff sollte sie beenden

Bei ThyssenKrupp im Westviertel muss der Vorstandschef Kerkhoff nach nur einem Jahr offenbar wieder gehen. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2023, der Personalausschuss des Aufsichtsrats will aber, dass er den Konzern jetzt schon verlässt. Gründe dafür wurden in der Mitteilung nicht genannt. Experten gehen davon aus, dass es unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung gibt. Das Aufsichtsratspräsidium habe sich neue Führungskräfte gewünscht, hieß es. In der Mitteilung der Thyssen AG hieß es: Die im Mai 2019 angekündigte und vom Aufsichtsrat einstimmig beschlossene Neuausrichtung des Konzerns werde konsequent fortgesetzt.

Nachfolgerin von Kerkhoff soll Aufsichtsratschefin Martina Merz werden

Über eine Nachfolge von Kerkhoff ist noch keine Entscheidung gefallen, vorerst soll Aufsichtsratschefin Martina Merz Kerkhoffs Aufgaben übernehmen. Für die Zeit danach empfahl das Präsidium des Aufsichtsrats dem Aufsichtsrat, den früheren Siemens-Manager Siegfried Russwurm zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu wählen. Russwurm war während der Turbulenzen im vergangenen Sommer nach Medienberichten auch als Nachfolgekandidat

von Kerkhoffs Vorgänger Heinrich Hiesinger gehandelt worden. Der Aufsichtsrat werde zeitnah in einer außerordentlichen Sitzung über die Empfehlungen des Präsidiums und des Personalausschusses beraten, hieß es weiter.

ThyssenKrupps in der Krise, 6000 Stellen sollen abgebaut werden

ThyssenKrupp steckt länger schon in einer tiefen Krise. Die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata ist gescheitert, der Aktienkurs abgestürzt und vor einigen Tagen erst ist ThyssenKrupp aus dem Dax abgestiegen. Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, hatte Kerkhoff auch über einen Verkauf der profitablen Aufzugssparte nachgedacht. Ihr Wert wird von Analysten deutlich höher eingeschätzt als der des gesamten Konzerns mit seinen weltweit rund 160.000 Mitarbeitern. Für die Beschäftigten hat der Dax-Abstieg keine direkten Folgen. Sie sind aber von dem Konzernumbau betroffen, bei dem 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon 4000 in Deutschland.

Kerkhoffs NachfolgerIn wird der/die dritte VorstandschefIn in nur wenigen Jahren

Kerkhoff steht erst seit Mitte Juli 2018 an der Spitze des Essener Industriekonzerns. Er hatte eigentlich einen Vertrag bis 30. September 2023. Der einstige langjährige Finanzvorstand Kerkhoff sollte Thyssenkrupp nach dem turbulenten Abgang des früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger wieder stabilisieren. Hiesinger hatte nach Differenzen mit Investoren die Brocken hingeworfen.


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