Radio Essen: Moderator gerät an Wohnungs-Betrüger

Immer wieder warnt die Polizei vor Enkeltrick & Co, aber wie leicht man tatsächlich an solche Betrüger gerät, hat jetzt unser Radio Essen-Nachmittagsmoderator Stephan Knipp am eigenen Leib erfahren. In seinem Fall im Internet. Stephan hatte bei eBay-Kleinanzeigen nach einer Mietwohnung in Rüttenscheid gesucht und ist auf ein äußerst günstiges Angebot gestoßen. Obwohl es keine Fotos zum Inserat gab und die Wohnung zum Miet-Schleuder-Preis angeboten wurde, schrieb er den Kleinanzeigen-User „dmtri“ an - und geriet an einen Betrüger.

Wohnungsbetrug in Essen: So ging es weiter

Am übernächsten Tag gab es die Antwort, die allerdings nur sehr kurz gehalten war: „Kann ich bitte Ihre E-Mail-Adresse haben?“ Stephan fand das genauso unseriös wie das gesamte Angebot, aber ließ sich auf das Spielchen ein. Er legte sich extra eine neue Email-Adresse an und gab diese an den Betrüger weiter. Der meldete sich auch noch am selben Tag – und dann begann eine kuriose, teils abstruse Geschichte.

Essen: Wohnungs-Betrüger gibt sich als Arzt aus Schweden aus

Der Betrüger gab sich als Arzt aus. Er sei schwedischer Schönheits-Chirurg, schickte gleich seine komplette Biographie mit. Sein Name: Dr. Charles Randquist. Offenbar sollte das Vertrauen erwecken. Stephan tippte den Namen bei Instagram ein und siehe da, dort gibt es tatsächlich einen Dr. Charles Randquist. Tatsächlich schwedischer Schönheits-Chirurg. Ein echter Mensch, mit normalem Leben, der aber von dem Betrug unter seinem Namen schon längst erfahren hatte und der deshalb auf seinem Instagram-Profil vor Immobilienbetrug mit seiner geklauten Identität in Deutschland, Belgien, Dänemark und sogar Puerto Rico warnte.

Fotos sahen nicht aus wie eine Wohnung in Essen-Rüttenscheid

Falls es für Stephan noch irgendeinen Beweis brauchte, dass er sich da mit einem Betrüger E-Mails hin und her schreibt – hier war er. Der Betrüger hatte mittlerweile Fotos geschickt, hochgeladen auf einer offiziellen Foto-Plattform. Wieder etwas, das Vertrauen erwecken sollte. Allerdings passten die Fotos nicht zur beschriebenen Lage in Rüttenscheid. Stattdessen wirkten sie eher wie Fotos aus einem Urlaubskatalog. Vieles in weiß gehalten, die Möbel mit teils grellbunten Akzenten, dazu eine übermäßig lichtdurchflutete Wohnung. Möglicherweise ein Studio auf einer griechischen Insel, definitiv aber keine Wohnung an der Veronikastraße in Rüttenscheid.

Tochter vom Arzt habe angeblich schon fünf Jahre im Neubaugebiet gewohnt

Ungefragt erzählt der "falsche" Arzt, warum er die Wohnung in der Stadt besitzt. Seine Tochter Anna habe dort fünf Jahre lang gelebt, weil sie hier studiert hätte. Mittlerweile sei sie aber nach Schweden zurückgezogen und er wolle deshalb seine Wohnung wieder vermieten. Eine Schlüsselübergabe erfolge übrigens nicht persönlich, auch keine Besichtigung. Gegen eine Kaution gäbe es den Schlüssel via Post und man könne sich in Ruhe alleine die Wohnung anschauen und entscheiden, ob man sie mieten möchte.

Betrug in Essen: Drei Monatsmieten Kaution sollen über Internetseite überwiesen werden

Stephan zeigt sich dem Betrüger in seinen E-Mails begeistert, vor allem von den vermeintlichen Bildern der Wohnung. Dann folgt der nächste Schritt des Betrügers: Stephan soll über eine Internetseite drei Monatsmieten Kaution überweisen, rund 1.700 Euro. Angeblich, so der nächste Versuch das Vertrauen weiter zu stärken, sei der Geldtransfer bis zu 10.000 Euro versichert. Weil er nicht weiß, was ihn auf der Seite erwartet, weigert sich Stephan auf die Seite zu klicken und stellt sich naiv. Er wolle wenn per Banküberweisung bezahlen, sollte das nicht gehen, sei er raus aus der Nummer.

Überweisung nach Spanien

Der Betrüger sieht seine möglicherweise sicher geglaubte Beute davonschwimmen und versucht einzulenken. Er schickt ein angebliches Ausweisfoto von sich mit, um weiter das Vertrauen zu stärken. Stephan öffnet die Datei aber nicht, um sich keinen Virus oder ähnliches auf den Computer zu holen. Gleichzeitig soll unser Radio Essen-Moderator auch seinen eigenen Pass einscannen und rüberschicken. Das Geld müsse dann an den Mann von Dr. Charles Randquists Tochter überwiesen werden, ein Spanier. Warum an den Schwiegersohn und warum nach Spanien? Bleibt ungeklärt. Möglicherweise will der Betrüger unseren Nachmittagsmoderator schon mal darauf vorbereiten, dass er das Geld an eine spanische IBAN senden soll und will damit lästige Nachfragen verhindern.

Anzeige bei der Polizei Essen

Mittlerweile hat Stephan Anzeige im Polizeipräsidium in Rüttenscheid erstattet. Mehr dazu und was die Polizei sonst noch in solchen Fällen rat, hat Polizeisprecherin Judith Herold unserem Radio Essen-Moderator im Interview erklärt.

© Radio Essen

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