Gedenkwochen in Essen: Tausende Namen von Flüchtlingen an Marktkirche

Jeden Tag sterben etwa sechs Menschen im Mittelmeer, sagt die UN-Flüchtlingshilfe. Die Evangelische Kirche gedenkt der vielen Opfer in den nächsten Wochen mit einer Reihe von Aktionen. Start ist ein großes Banner an der Marktkirche in Essen.

Evangelische Kirche Essen kritisiert mangelnde Seenotrettung
© Sven Christian Schulz / Radio Essen

Evangelische Kirche Essen gedenkt tausenden ertrunkenen Flüchtlingen

Zum Oktober beginnen die Gedenk- und Mahnwochen der evangelischen Kirche bei uns in Essen. Dafür wurde an der Marktkirche in der Innenstadt ein großes oranges Banner aufgehängt. Es wird am Montagabend gegen 18 Uhr enthüllt. Darauf stehen tausende Namen von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrunken sind. Unter dem Motto "Jeder Mensch hat einen Namen" ist im Sommer das Banner auf dem Kirchentag in Dortmund entstanden. Das hat aber gar nicht ausgereicht. In der Marktkirche liegt noch ein zweites Banner mit vielen weiteren Namen toter Flüchtlinge. Zur Enthüllung der Banner gibt es eine Andacht und eine Kundgebung der Kirche. Superintendentin Marion Greve hat schon angekündigt, dabei heftige Kritik an der Politik zu üben. Es könne nicht sein, dass immer noch Menschen auf dem Mittelmeer sterben. Auch Domprobst Thomas Zander unterstützt die Gedenk- und Mahnwochen.

Bündnis Seenbrücke: Essen soll sicherer Hafen werden

Die evangelische Kirche in Essen hat mit dem Bündnis "Seebrücke" dazu aufgerufen, dass Essen zu einem sogenannten "sicheren Hafen" werden soll. So bezeichnen sich Städte, die sich dazu bereit erklären, Flüchtlinge aufzunehmen. Inzwischen machen über 90 Städte mit, darunter auch Bochum und Dortmund. Superintendentin Marion Greve erklärte: Auch die klamme Haushaltslage in Essen sei kein Grund, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen. Andere Städte im Ruhrgebiet haben dies längst bewiesen, so die Essener Superintendentin.

Auf dem Banner in der Marktkirche in der Innenstadt stehen die Namen vieler ertrunkener Flüchtlinge.
Auf dem Banner in der Marktkirche in der Innenstadt stehen die Namen vieler ertrunkener Flüchtlinge.© Sven Christian Schulz / Radio Essen
Auf dem Banner in der Marktkirche in der Innenstadt stehen die Namen vieler ertrunkener Flüchtlinge.
© Sven Christian Schulz / Radio Essen

Auftakt für viele Gedenkaktionen in Essen

Zwei Wochen lang gehen die Gedenkaktionen. Dienstag, 1. Oktober, zeigt zum Beispiel das Glückauf-Kino in Rüttenscheid den Film Styx, über eine Notärztin die Segeln fährt und plötzlich auf offenem Meer auf Flüchtlinge in Not trifft. Zu Gast bei der Kino-Vorführung ist auch ein Vertreter der Hilfsorganisation Seawatch und beantwortet Fragen. Die Gedenkwochen enden dann mit einem kleinen Konzert vom "Euphrat-Rhein-Ensemble". Die haben auch schon auf ihren außergewöhnlichen Instrumente beim Arche Noah-Festival Ende September gespielt.


Ausführlich berichten wir über dieses Thema auch in unserem Radio-Essen-Kirchenmagazin Himmel und Essen.

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