Friedenspreis Dresden posthum an Nawalny verliehen

Julia Nawalnaja
© Sebastian Kahnert/dpa

Kremlkritiker

Dresden (dpa) - Der bekannte russische Kremlkritiker Alexej Nawalny ist posthum mit dem Internationalen Friedenspreis Dresden geehrt worden. Seine Witwe Julia nahm die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag stellvertretend im Schauspielhaus der sächsischen Landeshauptstadt entgegen. Alt-Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den vor knapp drei Monaten in Strafhaft ums Leben Gekommenen als «selbstlosen, fast übermenschlich mutigen Mann, der uns vor Augen führt, dass es auch ein anderes Russland geben kann». Er sei «eine Ikone aller anständigen Russen». 

Nawalnys Lebenswerk sei «ein Monument, er bleibt ein Vorbild für alle, die an Freiheit und Würde glauben auch für die Menschen in Russland». Sein langjähriger Kampf «gegen die korrupte Elite» zähle letztlich zu den «wichtigsten delegitimierenden Faktoren des Putin-Systems», sagte Gauck. Es gebe nicht viele andere, «die so unbeirrt, so absolut angstfrei und ungebrochen» an ihren Zielen festhalten, trotz permanenter Einschüchterung und Schikane.

Gauck: Lobende Worte für Julia Nawalnaja

Es sei «ermutigend und inspirierend» zu sehen, dass sie seine Arbeit «so unbeirrt, so couragiert und selbstbewusst» fortsetze, sagte Gauck zu Julia Nawalnaja. «Ich verneige mich in großer Achtung und tiefem Respekt vor Ihnen.» In einem Nachwort zur Laudatio verdoppelte er dann spontan das Preisgeld, weil er nicht an der Trauerfeier in Moskau teilnehmen konnte. 

«Die Welt muss endlich ihre Illusion und falschen Hoffnungen ablegen und auf die hören, die all die Jahre vor Putin gewarnt haben», appellierte Nawalnaja in ihrer Dankesrede unter Verweis auf den Krieg gegen die Ukraine, den ihr Mann bis zuletzt verurteilt habe. «Mit Putin ist nicht zu verhandeln, man kann ihm kein einziges Wort glauben, er wird niemals aufhören; Putin ist Krieg!» Angesichts von Aussagen vieler Politiker im Westen, sich mit ihm zu einigen und ihm zuzuhören, «kann ich nicht mehr schweigen», sagte sie. Auch die Erinnerung an Alexej «lässt mich laut sprechen und sogar fordern». Die Auszeichnung widmete sie denen, «die in Russland für den Frieden kämpfen und dabei alles riskieren».

Tod unter ungeklärten Umständen

Nawalny, prominenter Widersacher von Russlands Präsident Wladimir Putin, war am 16. Februar unter ungeklärten Umständen in einem sibirischen Straflager am Polarkreis gestorben. Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum als Vertreter der Auslober bezeichnete Nawalny als einen «Menschenrechtsverteidiger», der sein Leben gegeben habe. «Er hat ein Zeichen gesetzt, und er ist nicht allein.» Dieser Preis sei auch eine Ehrung für dessen Frau Julia, die seinen Kampf unterstützte und fortsetze. An sein Vermächtnis «gilt es zu erinnern und uns zu fragen, was können wir tun für die Freiheit, nicht nur hier, sondern auch in Russland.»

Seit 2010 hatten die Friends of Dresden jeweils zum Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg im Februar den Dresden-Preis an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderem Maße um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Für den Verein übernahm 2024 eine neue Initiative zusammen mit dem bisherigen Träger, der Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg) und aus dem Dresden-Preis wurde der Friedenspreis Dresden. Zu den in der Vergangenheit mit dem Dresden-Preis Geehrten gehören der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, der Kriegsfotograf James Nachtwey und der Architekt Daniel Libeskind.

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