
Freie Kulturszene in Essen: Sorgen um drohende Kürzungen
Die freie Kulturszene in Essen steht unter Druck. Im Raum stehen Kürzungen von zehn bis zwölf Prozent für dieses und nächstes Jahr. Im Grend in Steele müsste es dann eventuell Entlassungen geben, mit weiteren Konsequenzen für das Programm. Andere Häuser würde es nicht ganz so hart treffen. Noch ist aber nichts entschieden.
Veröffentlicht: Dienstag, 28.04.2026 10:26
Das Grend in Essen startet eine Petition
Offizielle Informationen gibt es noch nicht und auch das ist ein Problem für die freie Kulturszene in Essen. Waren noch im vergangenen Jahr höhere Zuschüsse angekündigt worden, sind jetzt sogar Kürzungen in Höhe von jeweils 150.000 Euro in diesem und im nächsten Jahr im Gespräch. Das könnte zum Beispiel für das Grend in Steele bedeuten, dass hier aktuell Personal arbeitet, das sich das Theater vielleicht dann nicht mehr leisten kann. Solche Kürzungen sind nicht realistisch, sagt das Grend. Personell sei das Theater jetzt schon am Limit. Deshalb wurde eine Online-Petition gestartet. Das Motto: Erst stirbt die Kultur, dann die Stadt. Befürchtet werden nachhaltige Folgen für die kulturelle Vielfalt, künstlerische Produktion, Stadtteilarbeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Rund 5.800 haben bereits unterschieben (Stand: 28. April). Bald soll über die Kürzungen im Kulturausschuss abgestimmt werden.
Kürzungen betreffen viele in Essen
Betroffen sind unter anderem die Jazz Offensive Essen, das Kunsthaus Essen, das Maschinenhaus der Zeche Carl, das Rabbit Hole Theater und die SZENE 10 im Giradethaus. Das Rabbit Hole Theater in der nördlichen Innenstadt finanziert mit den Zuschüssen durch die Stadt zum Beispiel einen Teil der Miete für Räumlichkeiten des Theaters. Bei einer Kürzung von zehn Prozent sind das rund 1.000 Euro pro Jahr, die durch den Verkauf von Tickets zusätzlich erwirtschaftet werden müssen.
"Eine Erhöhung der Preise wird speziell in der nördlichen Innenstadt schwierig", sagt Dominik Hertrich vom Rabbit Hole Theater im Interview mit Radio Essen-Stadtreporter Timm Schröder.
Die Einrichtung musste schon im vergangenen Jahr die Streichung von Projektförderungen durch die Stadt abfedern. Sponsoren sollen hier einspringen. Auch im Theater Courage in Rüttenscheid wächst die Sorge vor weiteren Kürzungen. Für dieses Jahr ist alles noch in trockenen Tüchern. Auch hier wollen die Verantwortlichen nicht aufgeben und hoffen auf die Unterstützung durch ihr Publikum.
Stadt Essen streicht Kulturempfang
Die Stadt Essen hatte zuletzt angekündigt den jährlichen Kulturempfang des Oberbürgermeisters - also ein Netzwerktreffen für die Kulturszene - ausfallen zu lassen. Damit sollen rund 10.500 Euro gespart werden, die dann wiederum in die Förderung der Kulturszene gesteckt werden. Das Budget wird also umgewidmet. Die Stadt überlegt aktuell, wo sie das auch an anderen Stellen machen kann. "Ziel ist es, die Vielfalt und Qualität des kulturellen Angebots in Essen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen langfristig zu sichern", heißt es in einer Pressemitteilung.

