Essener Tafel: Jörg Sartor stellt Buch vor

Jörg Sartor ist Chef der Essener Tafel und hat ein Buch über das Ruhrgebiet geschrieben. Darin kritisiert er, dass das Ruhrgebiet von der Politik im Stich gelassen worden ist. Dadurch seien viele Probleme bei uns entstanden, unter anderem spricht Sartor die Integration an.

Jörg Sartor steht mit verschränkten Armen an der Steeler Straße. Dort ist auch die Essener Tafel.
© Kerstin Kokoska, FUNKE Foto Service

Chef der Essener Tafel über Entwicklung im Ruhrgebiet

"Schicht im Schacht" heißt das Buch von Jörg Sartor und macht schon im Titel klar: Aus seiner Sicht steckt die Karre bei uns im Ruhrgebiet schon tief im Dreck. Es gebe ein "ungesundes Mischungsverhältnis" zwischen Zuwanderern und Deutschen. Wenn in der Schule 98 Prozent der Kinder kein Deutsch sprechen, dann könne eine Integration gar nicht funktionieren, hat er im Radio Essen-Interview gesagt. Deswegen fordert er eine "Entghettoisierung" verschiedener Siedlungsgebiete. Sartor schlägt zum Beispiel vor, dass an Grundschulen Quoten gesetzt werden, wie viele Zuwanderer dort unterrichtet werden dürfen.

© Anne Schweizer/ Radio Essen
© Anne Schweizer/ Radio Essen

Großer Medienrummel bei Buchvorstellung

Bei der Buchvorstellung war es ziemlich voll. Viele Journalisten und auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen sind gekommen, um über das Buch zu sprechen. Thomas Kufen findet das Buch gut, so könnten auf die Themen, die im Ruhrgebiet anliegen, wie Langzeitarbeitslosigkeit oder Zuwanderung, noch einmal aufmerksam gemacht werden.

Radio Essen Stadtreporterin Anne Schweizer war dabei und schildert Ihre Eindrücke so: Es waren gefühlt alle Medien aus einem Umkreis von 100 Kilometern vertreten, sowohl die öffentlich rechtlichen, als auch die privaten. Jörg Sartor ist ja allen ein Begriff, seit er letztes Jahr seine Tafel für ein paar Wochen für neue Flüchtlinge dicht gemacht hat. Dementsprechend voll wars.


© Anne Schweizer/ Radio Essen

Essener Tafel sorgte im letzten Jahr für Schlagzeilen

Im letzten Jahr hatten Medien aus ganz Deutschland über die Essener Tafel berichtet. Der Vorstand hatte beschlossen, dass vorübergehend nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu aufgenommen werden sollten. Diese Maßnahme hatten viele als ausländerfeindlich kritisiert. Jörg Sartor hat dem damals widersprochen. Die Tafel habe die neue Regel eingeführt, weil sich die Stimmung verändert habe. Viele Menschen würden die Tafel auch als sozialen Treffpunkt nutzen. Da aber immer mehr Nicht-Muttersprachler dort anstehen würden, ginge das nachbarschaftliche Miteinander und der Austausch verloren. Nach einigen Wochen hatte die Essener Tafel die Regelung dann wieder zurückgenommen.

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