
Bilanz zur Markthalle in Essen - Wie ist die Stimmung nach einem Jahr?
Feierstimmung in der Markthalle im Königshof in Essen: Vor genau einem Jahr hat sie eröffnet. Nach Jahren der Dauerbaustelle ist wieder Leben am Eingang der Innenstadt. Passend dazu gibt es am Freitag (9. Oktober) Live-Musik, Kinderschminken und weitere Aktionen. Die Koerfer-Gruppe als Betreiber ist zufrieden, das hatte sie schon im Sommer im Gespräch mit Radio Essen klar gemacht und jetzt erneut betont. Wer durch die Markthalle läuft, sieht aktuell allerdings an verschiedenen Stellen auch leere Stände. Dass es in den letzten Monaten viele Wechsel bei den Mietern gegeben habe, sei gewollt gewesen, sagt die Koerfer-Gruppe. Man tausche konsequent aus, wenn Angebot und Konzept nicht passen. Solche Sätze stoßen Mohammed von Tacolicious und Mohamed von Fluffy Fluffy sauer auf. Den beiden ist nicht nach feiern zumute. Und damit sprechen sie nicht nur für sich, sondern für mehrere frühere und aktuelle Mieter der Markthalle. Ein weiterer Gastronom ist bei dem Gespräch bei Radio Essen dabei, möchte jedoch anonym bleiben. Viele von ihnen haben Schulden in fünf- bis sechsstelliger Höhe - und machen dafür vor allem die Betreiber der Markthalle verantwortlich. Deswegen wollen sie rechtlich gegen diese vorgehen.
Was kritisieren einige Gastronomen in Essen an der Markthalle?
Der große Kritikpunkt: Das Konzept der Markthalle in Essen, sagt Mohammed von Tacolicious.
"Uns wurde versprochen, dass es eine Markthalle wird. Das heißt 50/60 Prozent Gastronomie und der Rest mit Gemüsehändlern, Fischhändlern, Honighändlern, Obsthändlern..."
Kurz vor der Eröffnung sei dann aufgefallen, dass das Verhältnis ein ganz anderes ist. Und das bringe Probleme mit sich: Mehr Konkurrenz durch mehr Gastronomen, dadurch weniger Umsatz, bei zu hoch festgesetzten Mieten für diese Umstände. Auch Mohamed von Fluffy Fluffy bemängelt, dass richtiges Marktflair fehle. Ein Kunde habe ihn sogar mal gefragt, wo die Markthalle sei. Er hatte gedacht, es handle sich nur um den Food Court einer Markthalle.
Michael Gluth von der Koerfer-Gruppe kann diese Kritik am Konzept der Markthalle nicht ganz verstehen. In Bezug auf mehr richtige Marktstände sagt er zwar:
"Wir haben uns das tatsächlich gewünscht, gerade wenn wir jetzt mal einige Jahre zurückdenken."
Aber man habe schnell gemerkt, dass mehr Nachfrage aus der gastronomischen Szene komme.
"Und im Grunde ist das auch das, was sich die Leute gewünscht haben. Also, Sie sehen das jetzt gerade auch mit unserer Bespielung des Willy-Brandt-Platzes, dass doch eher Gastronomie für Aufenthaltsqualität sorgt und eigentlich das das Richtige ist, um die Innenstadt mit einem entsprechenden Mehrwert zu versorgen."
Was halten Besucherinnen und Besucher von der Markthalle in Essen?
Ist das so? Das haben wir Kundinnen und Kunden der Markthalle in Essen gefragt. Der Gesamteindruck: Positiv. Allen schmeckt es und viele schätzen die große Essens-Auswahl.
"Ich finde das Angebot abwechslungsreich, gute Qualität und ich bin da wirklich sehr gerne", sagt zum Beispiel Dietmar, der in der Innenstadt arbeitet.
Auch Susanne und Ute kommen immer wieder für die Mittagspause in die Markthalle, aber eher aus Mangel an Alternativen. Sie würden zum Beispiel gerne mal einfach eine gesunde Bowl essen - die haben sie in der Markthalle bisher nicht gefunden. Luca aus Überruhr würde sich generell wünschen, dass die Gerichte einfacher zu finden sind:
"Man kann nicht direkt erkennen, wie viel das kostet, was es da gibt. Wäre schön, wenn sie das mal ein bisschen in Angriff nehmen würden."
Sehr lecker findet er das Essen aber auf jeden Fall. Connor aus Bielefeld sieht das genauso, nur die Preise seien teilweise sehr hoch. Und für Linas Geschmack ist es zu laut in der Markthalle:
"Es ist halt je nachdem an welchem Tag man hin geht ziemlich eng. Und von der Lautstärke her jetzt nichts wo man sagt, man trifft sich da mit Freundinnen und unterhält sich ganz nett, weil es dafür einfach zu wuselig ist."
Wie viele Besucher kommen in die Markthalle in Essen?
Die Koerfer-Gruppe sagt, dass durchschnittlich 130.000 Menschen pro Monat in die Markthalle kommen. Diese Zahl sei durch die eingebauten Zählanlagen an den Eingängen der Markthalle ermittelt worden. Mohammed von Tacolicious fragt sich: "Wo sind diese Menschen?" Von Montag bis Freitag sei die Markthalle selbst zu Stoßzeiten nur zu einem Drittel gefüllt. Bloß an Samstagen und Sonntagen sei es durchgehend etwas voller. Es kämen aber zu wenige Menschen, um genug Umsatz zu machen und die hohen Mieten zu zahlen. Alles in allem gehe das Konzept nicht auf.
"Wir haben daran geglaubt, wir haben auch versucht da mitzuwirken mit all unserem Tatendrang und im Endeffekt sind wir jetzt dann die, die ausgebrannt sind", sagt auch Mohamed von Fluffy Fluffy.
Neue Mieter in der Markthalle würden jetzt günstigere Mieten bekommen als Mieter der ersten Stunde, die mittlerweile nicht mehr in der Markthalle sind. Ihnen sei man nicht entgegen gekommen. Die Koerfer-Gruppe sagt dazu auf Radio Essen-Nachfrage, dass die Mieten mit jedem Vertragspartner einzeln ausgehandelt werden.
Mieten und Marketing in der Markthalle in Essen
Mitenthalten in der Miete ist eine Umlage für das Marketing. Dazu gehören Events wie jetzt zum Jahrestag, After Work-Parties, Kunstaustellungen und Beteiligungen an Essen Original und dem Essen Light Festival. Die Koerfer-Gruppe spricht von einer Vielzahl von Veranstaltungen. Einige der Gastronomen sagen aber: Vieles davon haben sie selbst als Mieter organisiert, um mehr Kunden anzulocken. Generell fragen sie sich, wofür sie diese Marketingumlage zahlen oder gezahlt haben - zumal ihnen von den Betreibern nahe gelegt worden sei, nochmal selbst ins Marketing zu investieren. Denn: Schlechtes Marketing der jeweiligen Stände selbst sei immer wieder als Grund für ausbleibende Kundschaft genannt worden. Gleichzeitig sind in der Miete zum Beispiel auch ein Service für saubere Tabletts und sauberes Besteck enthalten - doch auch hier habe es Probleme gegeben, sagen die Gastronomen im Gespräche mit Radio Essen.
Sauberkeit in Markthalle in Essen mittlerweile im Griff
Tatsächlich war das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Essen seit Eröffnung der Markthalle 32 mal für Kontrollen vor Ort. 22 davon waren geplant, neun sind aufgrund von Beschwerden oder Beratungen passiert, eine Kontrolle war eine Nachkontrolle. Das Lebensmittelüberwachungsamt hat dabei Verunreinigungen wie verschmutzte Einrichtungsgegenstände festgestellt und bauliche Mängel wie ein defekter Boden und kein Warmwasser. Außerdem hat das Amt Lebensmittel vom Vortag gefunden und weggeschmissen. Zusätzlich waren die Mülltonnen im Anlieferungsbereich der Markthalle im Hochsommer voller Maden. Die Mängel seien aber inzwischen behoben, sagt das Lebensmittelüberwachungsamt.
Strukturelle Probleme in der Markthalle in Essen?
Für einige ehemalige und aktuelle Mieter sind viele Mängel in der Markthalle nicht behoben, sie sprechen von strukturellen Problemen. Während Betreiber und Besucherinnen und Besucher sehr zufrieden mit dem neuen Angebot am Eingang der Innenstadt sind, sagen einige Gastronomen: Sie wollten und wollen auf eigenem Wunsch raus aus der Markthalle. Die Koerfer-Gruppe widerspricht: Sie tauschen aus.
"Und wenn ein Mieter dort nicht performt, dann sind wir diejenigen, die dort auf den Mieter zugehen und auch über einen Wechsel oder einen Austausch sprechen. Aber der Mieter selbst als solches hat aufgrund der Vertragsbindung dort im Grunde nicht die Möglichkeit zu sagen aktiv, er geht jetzt und schließt jetzt."
Übrigens sei die Markthalle nie vollständig vermietet gewesen, darum habe die Koerfer-Gruppe auch kein Geheimnis gemacht. Ein Stand, der immer leer geblieben sei, soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres eröffnen. Dort soll es frischen Fisch geben - für die Zubereitung zu Hause. Also ein "echter" Marktstand.