«Die Schwimmerinnen» erzählt eine wahre Geschichte

Die Schwimmerinnen
© Laura Radford/Netflix /dpa

Der Traum von Olympia

Berlin (dpa) - So etwas ist man von Matthias Schweighöfer nicht gewohnt: Ganze 92 Minuten dauert es, bis der Schauspiel-Star in «Die Schwimmerinnen» das erste Mal zu sehen ist - ein «Tatort» wäre da schon zu Ende. Aber im internationalen Netflix-Drama (Start: 23. November) spielen zwei Schwestern die Hauptrollen. Ihre Geschichte rührte 2016 nicht nur die Sportwelt.

Wer Yusra und Sarah Mardini sind

Yusra und Sarah Mardini (überzeugend gespielt von den libanesischen Schwestern Manal und Nathalie Issa) sind zwei ganz normale syrische Teenager, die bis zu ihrer Flucht nach Europa in Damaskus feiern gehen, Musik hören und von ihrem ehrgeizigen Vater Schwimmunterricht bekommen. Ihr Ziel: irgendwann bei den Olympischen Spielen starten. Mitten in diesen Alltag fallen die Bomben des Bürgerkriegs.

«Sie wollten ihr Leben einfach weiterleben, so wie hier auch. Es gibt da keinen Unterschied - bis auf den Sicherheitsgedanken», erklärt Schweighöfer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Der Regisseurin war wichtig zu zeigen: Flüchtlinge sind ganz normale Menschen.»

Die Flucht und das Leben danach

Das Drama der arabischstämmigen Filmemacherin Sally El Hosaini zeigt den riskanten Weg 2015 über die Türkei, Griechenland und Ungarn nach Berlin ausführlich und schonungslos. Vor der Insel Lesbos kommt es zu beklemmenden Szenen auf dem völlig überfüllten Schlauchboot. Die beiden Schwestern springen von Bord, verbringen Stunden im kalten Wasser und retten so die Gruppe - darunter Mütter mit Kleinkindern.

«Man sieht den Film und hat erstmal das Gefühl, er sei aus einer anderen Zeit. Aber er ist gar nicht aus einer anderen Zeit - das alles passiert heute noch genau so», sagt Schweighöfer. Er spielt den stets lächelnden Schwimmtrainer Sven Spannekrebs, der «die Schwimmerinnen» bei den Wasserfreunden Spandau 04 unter seine Fittiche nimmt.

Während Sarah das Partyleben in Berlin genießt, kämpft Yusra unerbittlich für ihren Traum - und schafft tatsächlich den Sprung zu Olympia 2016 in Rio de Janeiro - wo sie in einem Flüchtlingsteam startet und den Vorlauf über 100 Meter Schmetterling gewinnt. Die in London gedrehten Bilder der Spiele bilden den Abschluss des knapp zweieinhalbstündigen Filmdramas, das auf Yusras Biografie «Butterfly» basiert.

Was die echte Schwimmerin zum Film sagt

«Es war nicht einfach, die Geschichte in die Hände von Fremden zu geben. Man weiß nie, was am Ende dabei herauskommt. Aber wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis», sagte die heute 24-Jährige dem Fernsehsender ET Canada bei der Premiere in Toronto.

Die Olympia-Schwimmerin ist mittlerweile UN-Botschafterin und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie könnte somit 2024 in Paris für Deutschland an den Start gehen. Ihre ältere Schwester Sarah wurde vor einigen Jahren in Griechenland als Flüchtlingshelferin angeklagt. Ob ihr der Prozess gemacht wird, ist derzeit noch unklar.

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