Coronavirus in Essen: Was Ihr jetzt wissen müsst

Auch bei uns in Essen ist das Coronavirus in vollem Gange. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die es rund um das Coronavirus bei uns in Essen gibt.

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© Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Es kursieren zurzeit auch viele Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Coronavirus durch die sozialen Netzwerke. Unter anderem, ob es Zusammenhänge zwischen Ibuprofen und dem Virus gibt oder die Aufstellung von 5G-Masten für den Ausbruch des Virus verantwortlich sei. Die Weltgesundheitsorganisation sowie die Regierung haben diese Meldungen bereits klargestellt und auch als absolut falsch deklariert. Bei uns in Essen ging ebenfalls die Meldung um, dass Supermärkte schließen würden. Auch das ist eine klare Falschmeldung, wie uns viele Märkte bestätigt haben.

Coronavirus in Essen: Das passiert bei Verdachtsfällen

Wer glaubt, sich möglicherweise mit dem Coronavirus angesteckt zu haben oder Kontakt zu Infizierten hatte, sollte zu Hause bleiben und bei seinem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt anrufen. Fahrt nicht erst durch die halbe Stadt und setzt Euch ins Wartezimmer - so könntet Ihr noch mehr Menschen anstecken. Am Telefon mit dem Arzt oder dem Gesundheitsamt werden dann alle weiteren Schritte besprochen.

Verdacht auf Coronavirus bestätigt: So geht es bei uns in Essen weiter

Bleibt der Verdacht bestehen, schickt der Arzt oder das Gesundheitsamt den Rettungsdienst der Feuerwehr vorbei, um bei Euch einen Abstrich zu nehmen. Der wird dann zur Uniklinik nach Holsterhausen gebracht und überprüft. Das Ergebnis kommt in der Regel innerhalb von wenigen Stunden. Je nach Schwere und Verlauf der Krankheit müsst Ihr auf eine Isolierstation, zum Beispiel in der Uniklinik, oder müsst eine Zeit lang zu Hause bleiben.

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus eigentlich?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt, lässt sich noch immer nicht angeben. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Husten und Sprechen. Das kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege passieren oder indirekt über die Hände, wenn sie mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder der Augenbindehaut in Kontakt kommen. Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob sich das Virus auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei dem Ausbruch in China scheint dieser Übertragungsweg nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation keine Rolle zu spielen.

In welchem Umfang auch weitgehend oder ganz symptomfreie Menschen infektiös sein können, ist noch nicht klar.

Wie gefährlich ist das neue Coronavirus?

Auch das ist immer noch schwer, eindeutig zu beantworten. Dafür liegen aktuell noch nicht genügend Daten vor, sagt das Robert Koch Institut. Und auch viele andere Experten sehen die Zahlen, die in China erhoben und veröffentlicht werden, mit Skepsis. Die Zahlen dort sehen aktuell (Stand Ende Februar) so aus:

In China sterben etwa 2,3 Prozent der Infizierten. Betroffen sind vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben dagegen nur 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.

Im Radio Essen-Interview ordnet der Chef-Infektiologen der Uniklinik Essen die Erkrankung am Coronavirus gegenüber "normalen" Grippe-Fällen ein.

Woran erkenne ich, dass ich das Coronavirus habe?

Oft ist es schwer, die Symptome des Virus von denen einer herkömmlichen Erkältung zu unterscheiden. Die meisten erkrankten Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten, Schnupfen und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Wenn Ihr unsicher seid oder schon den Verdacht habt, dass Ihr Euch mit dem neuen Coronavirus angesteckt haben könntet, solltet Ihr bei Eurem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt anrufen (siehe oben).

Was kann ich tun, um mich zu schützen?

Der Internist Dr. Ralph Köhn aus Essen-Steele appelliert an die Einhaltung einfacher Hygiene-Regeln. Statt in Panik zu verfallen sollte sich jeder regelmäßig die Hände waschen und nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge husten und niesen. Außerdem sollte sich jeder, der erkältet ist, ein wenig zurückziehen. Experten raten außerdem, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe möglichst nicht anzufassen.

Für das Händewaschen gilt die Empfehlung 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife und Wasser jeden Finger und auch die Fingernägel zu waschen. Dafür gibt es einige Songs, die helfen, die Zeitangabe genau zu treffen. Einige Beispiel-Songs haben wir Euch zusammen gestellt und könnt Ihr hier herunterladen.

Die Feuerwehr Essen hat zudem ein Schnittmuster für Atemmasken bereitgestellt. Die könnt Ihr Euch im Notfall selber nähen. Atemmasken dienen dazu, andere kurzzeitig zu schützen, falls Ihr selbst den Virus habt. Das heißt: Eine Atemmaske schützt nicht wirklich den Träger vor einer Infizierung, sondern vielmehr kann die Maske helfen, Euer Umfeld kurzzeitig zu schützen, falls Ihr den Virus habt oder haben solltet, davon vielleicht aber noch gar nichts wisst. Das bestätigen auch viele Experten. Was Ihr für eine Atemmaske braucht und wie Ihr die genau näht, findet Ihr hier in der Anleitung zum Download.

Wie lässt sich die neue Krankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für Erkrankte gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

Was darf der Staat im Ernstfall tun?

Das Wesentliche regelt das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz (IfSG). Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums fasst zusammen: «Wenn es erforderlich ist, können auch wichtige Grundrechte wie Freiheit der Person, Versammlungsfreiheit oder Unverletzlichkeit der Wohnung sowie das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingeschränkt werden.» Behörden dürfen laut dem Bayreuther Staatsrechtler Stephan Rixen Blutentnahmen und Abstriche von Haut und Schleimhäuten verlangen. Auch «Krankheitsverdächtigen» und «Ansteckungsverdächtigen» - wie das Gesetz es ausdrückt - könne ein Berufsverbot auferlegt werden. Zum Schutz anderer könnten Menschen auch «in einem geeigneten Krankenhaus oder in sonst geeigneter Weise abgesondert werden», heißt es im Gesetz.

Wo bekomme ich einen Überblick über die Ausbreitung?

Eine Gruppe Wissenschaftler hat die Ausbreitung des Virus auf einer Weltkarte als Live-Format sichtbar gemacht. Die Karte bekommt Ihr hier (wenn Ihr mit dem Handy unterwegs seid) und hier (wenn Ihr grade am Laptop oder PC sitzt).

Außerdem haben wir einen Liveticker über die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus. Die beiden folgenden Karten zeigen interaktiv auf die aktuelle Anzahl der bekannten Corona-Fälle sowie der Ausbreitung des Virus.

Noch Fragen? Stadt Essen richtet Bürgertelefon zum Coronavirus ein

Die Stadt hat so viele Nachfragen zum Coronavirus bekommen, dass sie jetzt extra ein Bürgertelefon eingerichtet habt. Die Nummer ist: 0201 123 8888. Unter der Nummer könnt Ihr von 8.00 - 18.00 Uhr anrufen, wenn Ihr Fragen oder Sorgen rund um das Coronavirus hat.

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