Bundestagswahl in Essen: Politikexpertin der Uni Duisburg-Essen zum Wahlkampf

Der Bundestagswahlkampf findet langsam seinen Weg zu uns nach Essen. Wir haben mit der Politikwissenschaftlerin Sandra Plümer von der Uni Duisburg-Essen gesprochen. Sie erklärt, was gerade im Wahlkampf wichtig ist, was die Direktkandidat:innen aus Essen für unsere Stadt leisten können und ob die Wahl noch spannend wird.

© Sven Christian Schulz / Radio Essen

Bundestagswahl 2021: Debatte über Kandidat:innen statt Wahlkampfthemen

Wie Bundestagswahl 2021 ausgeht, steht noch in den Sternen. Die Umfragen der letzten Monate zeigen, wie schnell sich Wähler:innen umentscheiden können. Eins steht allerdings schon fest: Wir bekommen eine:n neue:n Kanzler:in. Angela Merkel steht nicht mehr zur Wahl. Das macht diese Bundestagswahl sehr besonders, sagt auch Politikwissenschaftlerin Sandra Plümer von der Universität Duisburg-Essen. Weil es ausschließlich neue Kanzlerkandiat:innen gibt, drehe sich der Wahlkampf bisher nur um deren Persönlichkeiten. Das habe zur Folge, dass es bis jetzt keine Top-3-Themen des Wahlkampfs gebe. Im Gegenteil: Er ist schon fast inhaltslos, erklärt Sandra Plümer.

Sandra Plümer ist Politikwissenschaftlerin an der Uni Duisburg-Essen und hat den Wahlkampf für Radio Essen analysiert.© Sandra Plümer
Sandra Plümer ist Politikwissenschaftlerin an der Uni Duisburg-Essen und hat den Wahlkampf für Radio Essen analysiert.
© Sandra Plümer

Wahl 2021: Umfragewerte schwanken - heiße Phase des Wahlkampfs entscheidend

Das könnte sich im Endspurt des Wahlkampfs ab September aber noch ändern, hofft Plümer. Beispielsweise würden Themen wie das Hochwasser im Westen Deutschlands oder die weitere Corona-Politik genug Diskussionsstoff bieten. Bis jetzt gebe es zum Klimaschutz noch wenige inhaltliche Pläne. Wie es in der Pandemiebekämpfung weitergeht, würden die Parteien momentan festlegen. Sobald dies feststeht, könnten noch viele Wähler:innen ihre Entscheidung darauf basieren, glaubt Plümer. Insgesamt sei das Wählerverhalten sehr volatil geworden. Bereits bei der Bundestagswahl 2017 hätten sich Umfragewerte innerhalb von vier Wochen vollkommen geändert. Sandra Plümer vermutet, das könnte auch bei dieser Wahl - vor allem in den kommenden Wochen - beobachtbar sein.

Bundestagswahl in Essen: Wahlplakate und Direktkandidat:innen bleiben wichtig

Auch in Essen ist der Wahlkampf langsam spürbar. Bald wird die Stadt wieder mit Wahlplakaten gepflastert. Die funktionieren laut Sandra Plümer auch weiterhin ganz gut. Nicht alle Wähler:innen seien mit Wahlprogrammen und Social Media Wahlkampf erreichbar. Das Gesicht einer/s Kandidat:in vor Augen zu haben, könne durchaus entscheidend bei der Wahl sein. Aber wie viel können die Essener Direktkandidat:innen überhaupt im Bundestag für unsere Stadt ausrichten? Sandra Plümer erklärt, dass die Abgeordneten vor allem Eindrücke aus ihrem Wahlbezirk in den Bundestag tragen, wenn es zum Beispiel um neue Gesetze geht. Davon würden die Wahlbezirke aber nicht unbedingt direkt profitieren. Deswegen müssten die direkt gewählten Abgeordneten transparenter sein und genau aufzeigen, was sie für Essen erreicht haben.

Wahl in Essen: Direktkandidat:innen machen Praktikum bei Radio Essen

Um diese Transparenz zu schaffen, lädt Radio Essen alle Direktkandidat:innen aus der Stadt im August zum Politiker-Praktikum ein. Jeden Tag ab 11 Uhr kommt ein:e Kandidat:in ins Studio und schlüpft in die Rolle einer/s Praktikant:in, kocht Kaffee schreibt den Wetterbericht und stellt sich unseren Fragen. So habt Ihr die Chance, Euch ein Bild von allen Kandidat:innen zu machen und zu entscheiden, bei wem Ihr im September das Kreuzchen setzen möchtet. Alle weiteren Infos zu den Politikerpraktika findet Ihr hier.

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