
Wie bewertet die Stadt Essen die Bäume?
Die Stadt Essen hat ihre Baumbilanz für das Jahr 2024 vorgestellt. Angesichts steigender Temperaturen, längerer Trockenperioden und häufiger Unwetter stehen die Bäume stärker unter Stress. Deshalb achtet die Stadt nicht mehr nur darauf, wie viele Bäume es gibt, sondern vor allem darauf, wie gesund und leistungsfähig sie sind.
Gesunde Bäume sind wichtig für das Stadtklima, saubere Luft und die Lebensqualität. Um das zu bewerten, nutzt die Stadt die sogenannte 3-30-300-Regel, ein wissenschaftlich und europaweit anerkanntes Leitbild für gesundes Stadtgrün. Sie definiert drei Ziele:
- Jede Person soll von ihrem Wohnort aus mindestens drei große Bäume sehen können.
- Mindestens 30 Prozent der Fläche eines Stadtviertels sollen von Baumkronen beschattet sein.
- Der nächste öffentliche Grünraum soll maximal 300 Meter entfernt liegen.
Mit dieser Regel macht die Stadt die Wirkung von Stadtbäumen messbar und vergleichbar.
Was zeigt die Baumbilanz in Essen?
Im Jahr 2024 waren laut der Stadt Essen rund 32 Prozent des Stadtgebiets von Baumkronen bedeckt. Damit ist der Anteil im Vergleich zu 2022 (30,7 Prozent) gestiegen. Der gesamte städtische Baumbestand lag zum 31. Dezember 2024 bei 200.466 Bäumen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 7.876 Bäume. 2024 wurden 2.310 Bäume gefällt und 960 neue Bäume gepflanzt.
Die Stadt betont, dass reine Stückzahlen die ökologische Bedeutung von Bäumen nur unzureichend widerspiegeln. Der Verlust eines großen, alten Baumes kann klimatisch stärker ins Gewicht fallen als die Pflanzung mehrerer junger Bäume. Zudem entwickeln sich Baumbestände über viele Jahre, lichten sich teilweise aus und gewinnen dennoch an Leistungsfähigkeit. Eine reine Zählung zu einem bestimmten Stichtag stößt daher an ihre Grenzen.
Wie beurteilt die Stadt Essen den Baumbestand?
Um die Qualität des Stadtbaumbestands besser beurteilen zu können, wurde eine neue Datengrundlage entwickelt. Mithilfe von Luftbildern wird erfasst, wie viel Fläche des Stadtgebiets von Baumkronen beschattet ist. Diese sogenannten Kronen-Beschirmungsflächen zeigen, dass die beschattete Fläche von 2022 bis 2024 trotz Dürrejahren stabil geblieben ist und sogar leicht zugenommen hat – obwohl die Anzahl der Bäume gesunken ist.
Seit August 2024 gilt die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Sie schreibt vor, dass es bis 2030 keinen Nettoverlust an städtischer Grünfläche und Baumüberschirmung geben darf. Die aktuellen Daten zeigen, dass Essen diese Vorgabe derzeit erfüllt. In den kommenden Jahren soll dieser positive Trend durch eine kontinuierliche qualitative Weiterentwicklung des Baumbestands gesichert werden.
Wie viele Bäume will die Stadt Essen pflanzen?
Um den Stadtbaumbestand langfristig zu sichern, setzt die Stadt auf mehrere Programme. Dazu gehört das 1.000-Bäume-Programm. Grün und Gruga pflanzen weitere 200 zukunftsfähige Stadtbäume. Nach 258 Bäumen im Jahr 2024 sollen so innerhalb von fünf Jahren 1.000 zusätzliche Klimabäume in Essen gepflanzt werden.
Die 200 Bäume werden laut der Stadt in insgesamt 18 Parkanlagen, Grünflächen und auf Spielplätzen gepflanzt. Dazu zählen zum Beispiel der Park im Universitätsviertel, der Volksgarten Kray, der Grünzug Hörster Feld und die Grünanlage Werdener Feintuchwerke. Zu den Spielplätzen zählen die am Therbeckenring, an der Friedrich-Lange-Straße oder am Schloss Schellenberg. Gepflanzt werden Baumarten wie Magnolie, Amberbaum, Zelkovie, Schnurbaum, Lederhülsenbaum, Ahorn, Tulpenbaum, Taschentuchbaum, Zierkirsche und Zierbirne. Diese Arten sind klimafit, kommen also gut mit Klimaveränderungen zurecht. Finanziert wird das Programm durch den Haushalt 2025/26 mit jeweils 300.000 Euro. Dazu kommen Fördergelder.