
Warum sollen die Bücherschränke in Essen verschwinden?
Die Stadt Essen betreibt 23 öffentliche Bücherschränke verteilt über alle Stadtteile. Solche Bücherschränke stehen zum Beispiel in Altendorf, Überruhr, Frintrop oder Schonnebeck. Das Prinzip ist einfach: Essenerinnen und Essener stellen ihre ausgelesenen Bücher in den Schrank und nehmen sich ein Neues raus oder sie suchen sich einfach so ein Buch raus und nehmen es mit. So bekommen alle, was sie lesen wollen, vom spannenden Krimi über den Liebesroman, bis zum Sachbuch. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtbibliothek haben in den letzten Jahren zumindest die öffentlichen, von der Stadt aufgestellten Bücherschränke betreut. Sie haben nachgesehen, welche Bücher drin stehen und die Schränke immer wieder sortiert. Die Stadtbibliothek hat dafür aber nie ausreichend Geld und Personal bekommen. Deshalb will die Stadtbibliothek die Betreuung einstellen und die Stadt Essen erklärt, dass deshalb bei Beschädigungen die Bücherschränke abgebaut werden müssten.
Wie sind in Essen die Reaktionen zu den Bücherschränken?
Bei einem kurzen Radio Essen-Check Mitte Mai an den Bücherschränken bekommen wir ein durchwachsenes Bild. Der Bücherschrank am Grillo-Theater in der Innenstadt ist fast leer. In Rüttenscheid dagegen ist der Schrank gut gefüllt mit Büchern. Da ist auch alles dabei, von alten, gebundenen Romanen, bis zum neuen Taschenbuch. Auch Kinderbücher stehen in dem Bücherschrank. Immer wieder schlendern Passantinnen und Passanten vorbei und werfen einen Blick in den Bücherschrank. Wen etwas interessiert, der greift auch zu. Eine Studentin hat Glück und findet ein Buch von einem Autor, den sie kennt. Sie erklärt, dass die Bücherschränke für sie wichtig sind, weil Bücher immer teurer werden. Ein Radfahrer fährt regelmäßig hier vorbei und schaut rein, weil die Bücherschränke für ihn eine Fundgrube für alte Bücher und längst verschwundene Ausgaben sind, die im Buchhandel nicht mehr zu haben sind. Alle finden es schade, wenn die Bücherschränke verschwinden würden, erzählen sie Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl.
Wie könnte in Essen die Lösung für die Bücherschränke aussehen?
Im Kulturausschuss in Essen sollten die Politikerinnen und Politiker bereits entscheiden, ob die Stadtbibliothek ihre Arbeit an den Bücherschränken einstellen soll. Die Entscheidung wurde aber vertagt. Die Stadt argumentiert auch mit der schlechten Haushaltslage der Stadt. Aber wie schon bei den Öffnungszeiten im Grugapark sind es die vielen kleinen Dinge, die die Stadt lebens- und liebenswert machen und die, die Bürgerinnen und Bürger sehr vermissen würden. An anderen Stellen kümmern sich bereits Ehrenamtliche um Bücherschränke, die teilweise von anderen Betreibern aufgestellt wurden. Wie die Lösung aussieht, darüber müssen die Politikerinnen und Politiker noch diskutieren.


