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1 Tag im Knast

So läuft unser Radio Essen-Gefängnis-Experiment

Unser Radio Essen-Reporter Uwe Loch hat ein ganz besonderes Experiment gemacht: Er war für 24 Stunden als Strafgefangener in der JVA Essen eingesperrt. Weil auch der Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen gut vorbereitet sein muss, hat sich der Kollege schon mal mit ein bisschen Literatur zum Thema eingedeckt. Seine Erfahrungen als Strafgefangener im Essener Knast hören sie am Donnerstag und Freitag hier bei Radio Essen. Beim "Check in" musste er alles abgeben, wurde komplett durchsucht und musste wunderschöne Sträflingskleidung anziehen.

Wir haben ihn 24 Stunden begleitet und Beiträge von verschiedenen Stationen aus der JVA in Rüttenscheid gesendet.

Uwe erklärt, warum er in den Knast gegangen ist

Erster Eindruck im Knast
So sahen alle Flure im Zellentrakt aus

Nachdem ich das Gefängnis an der Krawehlstraße betreten hatte, musste ich erstmal alles abgeben: Kleidung, Handy, Schlüsselbund - alles wanderte in einen Kleidersack in der Kleiderkammer. Mein Geldbeutel samt Inhalt wurde in einem Safe eingeschlossen. Dabei wurde ich von Justizbeamten durchsucht - nichts durfte ich mit ins Gefängnis nehmen. Danach wurde ich eingekleidet - in einheitsblauen Jeansstoff.

Die Aufnahme

Die Anstaltskleidung

Zum ersten Mal in meinem Leben trage ich Einheitskleidung - und das im Gefängnis. Erstmal gar nicht ungewohnt: Jeanshose und normaler Pullover. Beides in einheitsblau. Dadrunter gibt es ein graues Unterhemd und eine Unterhose, die unbeschreiblich ist: ich habs trotzdem versucht.

So fühlt man sich in Gefängniskleidung

Beim Anstaltsarzt

Pflichtbesuch für jeden Neuankömmling im Rüttenscheider Knast: Der Anstaltsarzt. Ein junger Mediziner, freundlich aber bestimmt checkt mich komplett durch: Vom Blutdruck übers Abhören der Lunge bis zu Fragen über Sucht oder Suizidgefährdung.

Die Untersuchung beim Arzt

Die Flure in der JVA Essen
So sehen die Treppenhäuser in der JVA aus

Unendlich lange Flure mit etlichen Zellen prägen das Bild im Innern der JVA Essen. Alle Gänge sehen gleich aus. Die Treppenhäuser sind bis zum Dach offen, so kann das Tageslicht durch die Fenster im Dach bis nach unten durchscheinen. Die einzelnen Etagen sind mit Gittern voneinander getrennt. So kann niemand etwas von oben runter werfen oder vielleicht sogar springen.

Die Flure in der Justizvollzugsanstalt Essen

Meine Zelle

Nachdem ich alle Formalien erledigt hatte, bin ich in mein neues zu Hause eingezogen. Es war auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Die Zelle ist alles andere als groß. Geschätzte acht Quardratmeter, mehr stehen einem Häftling nicht zur Verfügung. In der Zelle gibt es ein Bett, einen Schrank und ein kleines Waschbecken, mehr nicht. Für frische Luft sorgt ein kleines vergittertes Fenster.

Arbeiten im Knast

Arbeiten zu können ist im Knast etwas ganz besonderes. Egal ob Eierdieb oder Schwerverbrecher, für alle die im Knast arbeiten können ist das Leben hinter Gitter ein bisschen leichter. Mit dem verdienten Geld lassen sich nämlch nicht nur Dinge wie Zigaretten finanzieren. Auch für die Zeit nach der Haft wird noch was zurückgelegt. Von allem was der Gefangene im Monat verdient, bekommt er 30 Prozent zum direkten verquitschen die restlichen 70 Prozent werden auf die hohe Kante gelegt. Das Geld bekommt der Häftling nach seiner Entlassung zur Überbrückung.

Arbeiten im Knast ist ein Privileg

Der Hofgang

Mal raus aus der Zelle und frische Luft schnappen. Damit die Gefangenen nicht nur die miefige Gefängnisluft atmen müssen, dürfen sie regelmäßig zum Hofgang nach draussen. Die Stunde unter freiem Himmel wird von vielen Häftlingen zur Bewegung genutzt.

Eine Runde an der frischen Luft beim Hofgang

Sport im Knast

Neben der Arbeit, die für Strafgefangene ein ganz wichtiger Faktor ist, gehört auch der Sport hinter Gitter für viele Knackis zum täglichen leben. Drei Sportkurse zu je 75 Minuten darf jeder Häftling pro Woche besuchen. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala steht unter anderem Bodybuilding. Beim Eisenbiegen läuft es im Knast genauso wie in jeder Muckibude ausserhalb der Gefängnimauern.

Beim Knastsport steht Bodybuilding ganz weit oben

Ein kurzer Rückblick
Die Tür zu meiner Zelle

24 Stunden hat das Experiment gedauert. Es war eine heftige, aber gute Erfahrung. Trotzdem war ich froh nach einer unruhigen Nacht wieder entlassen zu werden. Ich bedanke mich bei allen Justizbeamten der JVA Essen für die tolle Unterstützung. Gleichzeitig danke ich auch allen Häftlingen, die mir ihre Geschichte erzählt haben.

Ein kurzer Rückblick auf die 24 Stunden

Viele Fragen unserer Hörer

Natürlich haben wir auch unsere Hörer aufgerufen Fragen über das Leben im Knast zu stellen. Dabei kamen auch kritische Anmerkungen.

Die Fragen unserer Hörer


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