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Der Häftling

Foto: Pixabay/AlexVan


Tim sitzt aktuell im Gefängnis. Um seine Resozialisierung später nicht zu gefährden haben wir auf die Nennung seines Nachnamens und ein Foto von ihm verzichtet.


Was beschäftigt Sie im Moment besonders?

Natürlich meine Entlassung.


Wie sieht ihr Leben denn außerhalb des Gefängnisses aus?

Ich habe eine Familie, eine Frau und eine Tochter. Für die möchte ich natürlich gerne wieder da sein und ich möchte auch wieder arbeiten gehen. Ich hoffe, dass ich wieder an das anschließen kann, was ich hatte.


Wann kommen Sie wieder aus dem Gefängnis raus?

Meine Revision ist zurückgezogen worden, das heißt ich muss jetzt von der U-Haft in Strafhaft. Der Entlassungstermin ist im März 2020, aber ich hoffe natürlich, dass ich früher rauskomme.


Wie informiert man sich denn im Gefängnis über Politik?

Man hat eigentlich relativ viele Möglichkeiten. Es gibt einen Fernseher, Radio, man kann sich Zeitungen von außen ins Gefängnis schicken lassen. Das habe ich jetzt auch vor. In der Kirche liegen auch Zeitungen aus beim Gottesdienst. Nur Internet gibt es hier nicht.


Die Gefängnisleitung hat uns erzählt, dass bei der Landtagswahl gerade mal drei Insassen gewählt haben. Spielt Politik hier überhaupt eine Rolle?

Nicht wirklich. Viele Leute beschäftigen sich eher mit ihren eigenen Problemen, als damit, was in der großen Welt los ist.


Warum ist es für Sie trotzdem wichtig bei der Bundestagswahl Ihre Stimme abzugeben?

Nur so kann man was verändern. 


Was sollte sich denn in der Politik ändern?

Eigentlich bin ich ganz zufrieden, wie es läuft.


Das heißt, Sie wählen eigentlich eher, damit alles so bleibt, wie es ist?
Ja, genau.


Man könnte meinen, dass jemand, der im Gefängnis sitzt vor allem darauf schaut, was bei dem Thema Sicherheit und Justiz für Veränderungen geplant sind. Spielt das für Sie jetzt eine größere Rolle als früher?

Nein. Das sind Probleme, mit denen ich mich im Moment nicht befasse. Ich habe hier selbst mit vielen Dingen zu kämpfen, da versucht man eher, sich davon abzulenken.


Welche Frage würden Sie den Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl gerne einmal stellen?

Wie es mit den Flüchtlingen weitergehen soll. Ich sag erstmal „Herzlich Willkommen“. Wir haben eine gute Gesellschaft, die auch belastungsfähig ist, aber man sollte das ein bisschen kontrollieren. Denn man muss auch leider sagen, dass da auch Leute bei sind, die nicht gut für uns sind.


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