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Radfahr-Missverständnisse

Foto: Pixabay/yorgunum

Der Verkehrsclub Deutschland bietet „Gelbe Karten“ an, die Radfahrer und Fußgänger an Autofahrer verteilen können, wenn diese zum Beispiel auf Rad- oder Gehwegen parken und Radfahrer, Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen nicht mehr an ihnen vorbeikommen. Auf unserer Facebookseite haben Auto- und Radfahrer heftig diskutiert. Dabei sind auch viele Missverständnisse über das Radfahren im Stadtverkehr aufgetaucht. Der Allgemeine Fahrradclub Essen (ADFC) klärt auf.


1. Radfahrer sollten ganz rechts fahren, damit sie den Verkehr nicht behindern.

Das sagt der ADFC: „Es gibt Gerichtsurteile die einen Radfahrer zur Einhaltung von ‚Mindest‘abständen auffordern. Das sind ca. 80 cm zum Bordstein und bei längsparkenden Fahrzeugen sogar 1,50 m. Dann fährt man bei der üblichen Breite der Fahrspur in der Regel in der Mitte. Beim Überholen hat der Autofahrer wiederum mindestens 1,50 m Abstand zu halte, bei Fahrrädern mit Kinderanhänger sogar 2 m und mehr- gemessen übrigens immer vom Lenker und nicht vom Reifen. Demnach ist ein Überholen auf der gleichen Fahrspur faktisch nicht erlaubt und immer ein Spurwechsel notwendig!“


2. Wenn ein Fahrradweg vorhanden ist, dann müssen die Radfahrer diesen auch benutzen.

Das sagt der ADFC: „Leider ist manchen Autofahrern nicht bekannt, dass die Radwegebenutzungspflicht bereits 1997 durch eine Änderung der StVO abgeschafft wurde. Seitdem wurden auch die meisten blauen Schilder abgebaut, aber nur Radwege mit diesen Schildern sind benutzungspflichtig, auf den anderen darf man als Radfahrer fahren, muss es aber nicht. Auch Radwege mit blauem Schild sind nicht benutzungspflichtig, wenn der Radweg z.B. durch Scherben, Laub, Wurzelaufbrüche, Mülltonnen oder eben Falschparker nicht befahrbar ist. Dann muss der Radfahrer sogar auf die Straße ausweichen (auf den Fußweg darf und sollte er nicht!). Er darf dann auf der Straße bleiben, bis es die nächste bauliche Möglichkeit gibt, den Radweg wieder zu befahren UND die Nutzungseinschränkung nicht mehr vorhanden ist. Also zum Beispiel erst an einer späteren Bordsteinabsenkung.“


3. Wenn es keinen Radweg gibt, dann fahren Radfahrer besser auf dem Gehweg, da sind sie sicherer.

Das sagt der ADFC: „Es ist ein Irrglaube, dass es dort für Radfahrer sicherer ist - das Gegenteil ist der Fall! Auf der Straße wird der Radfahrer besser vom Autofahrer wahrgenommen, als auf einem Bordsteinradweg oder Gehweg hinter Büschen, parkenden Autos und Co.. Die meisten Unfälle geschehen beim Abbiegen, wenn Radfahrer übersehen werden. Auch wir sehen leider noch oft Radfahrer, die auf Bürgersteigen unterwegs sind, das kritisieren wir auch selber und appellieren an Radfahrer immer die Straße zu nutzen. Oft wird man als Radfahrer aber tatsächlich quasi von der Straße ‚gehupt‘ und sogar beschimpft. Wir können deshalb teilweise verstehen, dass einige unsichere Radfahrer eingeschüchtert auf den Bürgersteig ausweichen. Es gibt aber auch viele Bürgersteige und Teile der Fußgängerzone mit dem Zusatzschild ‚Fahrrad frei‘, dort ist Radfahren erlaubt (nicht verpflichtet) ... aber dann natürlich mit Schrittgeschwindigkeit und Rücksichtnahme auf Fußgänger.“


4. Radfahrer dürfen nicht über Zebrastreifen fahren.

Das sagt der ADFC: „Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist es tatsächlich für Radfahrer erlaubt über einen Fußgängerüberweg zu fahren, der Radfahrer hat dann allerdings kein Vorrecht wie ein Fußgänger und darf sich dieses auch nicht erzwingen. Wenn der Radfahrer über den Überweg ‚rollert‘, also sich mit einem Fuß vom Boden abstößt, gilt er jedoch als Fußgänger und hat auch das entsprechende Vorrecht.“


5. Fahrradfahrer dürfen nicht rechts an Autos vorbeifahren.

Das sagt der ADFC: „Ein ‚rechts Vorbeifahren‘ an stehenden Fahrzeugen ist für Radfahrer tatsächlich erlaubt und wird durch Fahrradstreifen und teilweise schon vorhandene ‚vorgezogene Aufstellflächen‘ für den Autofahrer auch deutlich. Es müssen dazu auch keine besonderen Markierungen vorhanden sein, das ist fest in der StVO (§5 Abs. 8) verankert, natürlich nur bei entsprechendem Platz - aber erlaubt ist es überall. Die StVO unterscheidet zwischen ‚überholen‘ und ‚vorbeifahren‘.“


Auch Sie ärgern sich regelmäßig über andere Auto- oder Radfahrer? Oder wollen um mehr Verständnis für die andere Seite bitten? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebookseite!

Wie Sie an die "Gelbe Karte" rankommen und was Sie sonst noch unternehmen können, wenn Autos auf Radwegen parken, das können Sie hier nachlesen.

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