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Kostenfalle Zahn

Der Zahnarztbesuch wird für viele Menschen richtig teuer - vor allem, wenn es an die Dritten geht. Die Verbraucherzentrale sagt, dass die Zahnärzte den Patienten teils nicht unbedingt nötige Behandlungen empfehlen oder für eine Behandlung deutlich mehr Geld verlangen als andere Zahnärzte. Hier finden Sie einige Infos zum Zahnersatz, außerdem haben wir mit Sigrun Widmann von der Verbraucherzentrale Fragen und Erfahrungen geklärt.

Unsere Recherche zum Thema Zahnersatz wurde auf unserer Facebook-Seite ganz schön kritisiert. Zahnärzte würden dadurch als Abzocker dargestellt. Im Interview mit Sigrun Widmann von der Verbraucherzentrale hat Radio Essen-Moderator Timm Schröder dazu Stellung genommen.

Aktionstag zum Zahnersatz in der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale beantwortet alle Ihre Fragen zum Thema an einem kostenlosen Aktionstag. Einige Termine sind noch frei. Melden Sie sich einfach an.

Wann: Donnerstag, 8. Juni 2017, 14 bis 18 Uhr

Wo: Beratungsstelle Essen, Hollestr. 1, 45127 Essen

Anmelden: 0201/64957401 | essen(at)verbraucherzentrale(dot)nrw

Was gibt's für Zahnersatz?

Kronen, Brücken, Implantate und Prothesen. Welcher Zahnersatz der richtige für Sie ist, hängt von der Zahnlücke und dem Zustand Ihrer Zähne ab – und davon wie teuer es werden darf. Zahnersatz aus Metall ist zum Beispiel günstiger, stabiler und haltbarer als Keramik, sieht dafür aber nicht so gut aus.

Kronen und Brücken gibt es in drei Varianten: komplett aus Metall, komplett aus Keramik oder als Metallgerüst, dass zahnfarben überzogen wird.

Eine Krone kommt in Frage, wenn ein Zahn so weit zerstört ist, dass eine Füllung nicht mehr möglich ist. Nach einem Abdruck wird die Krone im Labor hergestellt und anschließend auf dem Zahn zementiert. Wie erwähnt gibt es sie in drei Ausführungen. Komplett aus Metall (kosten ca. 280 Euro, von denen die Krankenkasse rund 50 Prozent übernimmt) halten sie nach Expertenmeinungen bis zu 25 Jahre. Eine Keramikkrone sieht eher aus wie ein richtiger Zahn, hält dafür aber nicht so lang wie eine Metallkrone. Auch die mit Keramik überzogenen Metallkronen sind nicht so langlebig, im Bereich der vorderen Zähne wird eine sogenannte Metallverblendkrone von der Krankenkasse bezahlt.

 

Bei einer Brücke müssen die benachbarten Zähne neben der Zahnlücke so beschliffen werden, dass sie als Pfeiler für den Zahnersatz dienen, das heißt auch bei den eventuell noch gesunden Nachbarzähnen geht viel Substanz verloren und die Zahnsubstanz kann geschädigt werden. Weil Brücken aus oder mit Keramik nicht so lange halten wie die aus Metall, werden sie in der Regel nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Die teuerste Variante des Zahnersatzes sind Implantate. Ein einzelnes Zahnimplantat kostet alles in allem zwischen 1.500 und 3.500 Euro, die Kosten werden nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt, sie bezahlt nur 50 Prozent dessen, was auch eine Basisversorgung kosten würde. Ohne passende Zusatzversicherung müssen Sie die Kosten also selbst tragen. Der Vorteil: das Implantat ist am nächsten dran am echten Zahn.

Fehlen zu viele Zähne nebeneinander gibt es das, was wir landläufig als ein künstliches Gebiss bezeichnen: eine Prothese. Festsitzender Zahnersatz gilt als angenehmer und komfortabler, die Prothese ist aber günstiger.


Sigrun Widmann von der Verbraucherzentrale hat bei Radio Essen Rede und Antwort gestanden. Sie erklärt Moderator Timm Schröder, was es allles für Fälle von Zahnersatz gibt und warum manchmal der Mut zur Lücke besser sein kann.


Aber Achtung: Nicht jeder Zahn muss ersetzt werden! 

Viele Zahnärzte sagen den Patienten, fehlende Zähne müssten möglichst schnell ersetzt werden. Wenn die Lücke nicht geschlossen werde, dann sei das schlecht für den Rest der Zähne. Die Verbraucherzentrale sagt allerdings, dass das nicht zwingend so sein muss. In bestimmten Fällen müsse ein fehlender Backenzahn nicht ersetzt werden.


Kosten

Grundsätzlich gilt: Für Kronen, Brücken und Prothesen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen einen festen Zuschuss. Sie bezahlen die Hälfte dessen, was als ausreichende, notwendige und wirtschaftliche Basistherapie definiert ist. Wer mehr will, muss die Mehrkosten selbst tragen. Durch ein Bonusheft der Krankenkasse können sie eventuell noch ein bisschen Geld sparen.

Für Geringverdiener gibt es den doppelten Zuschuss von der Krankenkasse, bei ihnen übernimmt die Krankenkasse also die vollen Kosten für den Zahnersatz. Solche Härtefälle gelten aktuell (Stand Mai 2017) bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von bis zu 1.190 Euro in einem Einpersonenhaushalt, 1.636,25 Euro in einem Zweipersonenhaushalt für jede weitere Person kommen 297,50 Euro dazu.  Anspruchsberechtigt sind damit auch Bezieher von BAföG, Sozialhilfe, Hartz IV, Kriegsopferfürsorge und Grundsicherung im Alter.

Der Zuschuss für die Härtefallregelung muss bei der Krankenkasse beantragt werden, das nötige Formular bekommen Sie bei Ihrem Zahnarzt. Wer leicht über den Grenzen liegt bekommt zwar keine volle Kostenübernahme, kann aber trotzdem einen erhöhten Zuschuss bekommen.

Der Zahnarzt muss vor der Behandlung einen Heil- und Kostenplan erstellen. Da steht drin, welche Probleme es gibt, welche Therapie der Arzt durchführen wird und welchen Anteil der Kosten die Krankenkasse übernimmt. Die Krankenkasse prüft diesen Plan daraufhin, ob es einen Festzuschuss gibt, sie prüft aber in der Regel nicht, ob die Kosten und die Behandlung angemessen sind. Das lassen Sie am besten von einer Beratungsstelle prüfen. Die Verbraucherzentrale sagt, dass die Planungen bei einem gleichen Befund teils sehr stark voneinander abweichen. Mancher Zahnarzt berechnet Hunderte oder gar Tausende Euro mehr als einer seiner Kollegen.

Nach dem Gesetz sind Heil- und Kostenpläne eine unverbindliche Berechnung der voraussichtlich entstehenden Kosten. Material- und Laborkosten werden vor der Behandlung nur geschätzt. Diese Schätzung muss aber so genau wie möglich sein. Der Zahnarzt muss den Patienten "unverzüglich" unterrichten, wenn "eine Überschreitung der im Kostenvoranschlag genannten Kosten um mehr als 15 Prozent zu erwarten" ist. Bei einer erheblichen Überschreitung des Heil- und Kostenplans ist eine neue Genehmigung nötig.

Sigrun Widmann von der Essener Verbraucherzentrale klärt einige Fragen und kommentiert Erfahrungen.

Radio Essen-Hörerin Ulrike Eichinger musste laut ihrem Zahnarzt ein 3D-Röntgen von ihren Zähnen haben. 250 Euro hat sie das gekostet. War das wirklich nötig?

Reinhard Mas aus Kettwig wollte vom Zahnarzt beraten werden. Er war bei verschiedenen Ärzten und jeder sagte ihm etwas anderes, auch verbunden mit anderen Kosten. Solche Fälle kennt die Verbraucherzentrale gut.


Jede Menge Infos zum Thema "Kostenfalle Zahn" finden Sie auch auf der Seite der Verbraucherzentrale.


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