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Essener im ewigen Eis

Moritz Kötteritzsch aus Frintrop ist für vier Wochen in der Antarktis. Er will da aber keine Pinguine beobachten (zumindest nicht hauptsächlich), sondern an neuen Trägern für Bauwerke forschen. Seit zehn Jahren arbeitet er schon in einem Ingenieurbüro aus Dellwig daran, auf der deutschen Forschungsstation Neumayer 3, sollen die Fundamente, die komplett aus Eis bestehen, jetzt getestet werden.

Warum ein Fundament aus Eis?

In der Antarktis werden die Forschungsstationen auf hydraulischen Stützen gebaut - damit sie nicht im Neuschnee versinken. Zum Schutz der Antarktis gibt es aber Verträge die sagen: alle mitgebrachten Baumaterialien müssen irgendwann wieder mitgenommen werden. Diese Stützen könnten dann aber schon metertief im Schnee versunken sein. Deswegen hat der Ingenieur Moritz Kötteritzsch aus Frintrop ein besonderes Fundament entwickelt - nur aus Eis. So könnten die Wissenschaftler vor Ort je nach Wetterlage die Station "höher legen". Das ist nicht nur praktisch - sondern auch echt umweltfreundlich!

Und wenn Moritz mal nicht arbeitet?

Mal schnell einen Spaziergang durch den Schnee machen - das geht in der Antarktis nicht so einfach. Denn das ist gefährlich und man muss immer das Wetter im Blick haben.

Die Koffer sind gepackt
Erster Stopp: Kapstadt

10. Januar - Mail aus Südafrika

"Heute ist der Rest der Gruppe eingetroffen.Eigentlich hatten wir den Tag Vollkommen anders geplant (ein gemeinsames  Treffen der Gruppe die mit dem Versorgungsflug D8 bis NOVO fliegt war erst für Mittwochmorgen geplant) und es war mehr Zufall, dass wir nochmal zum Hotel zurück sind. '...Die anderen Sind auf dem Weg, danach fahren wir direkt zum Hafen, Polarkleidung checken...#, wurden wir von Belinda Courtney, der Mitarbeiterin der Meihuizen Agency, begrüßt. 'Euer Flug in die Antarktis hat sich geändert - ihr werdet verspätet starten.' Das bedeutet einerseits einen halben Tag mehr in der Sonne Kapstadts (ich habe bereits einen Sonnenbrand :-) ) Das bedeutet jedoch andererseits, dass wir vorraussichtlich mitten in  der Nacht an Neumayer ankommen werden und es nach derzeitiger Wetterprognose 20... 25 Knoten an Wind und Schneefall geben soll.

Gemeinsam waren wir dann im Hafenlager, um dort unsere Bekleidung für die Flüge (Inklusive Notfallausrüstung) zu prüfen. Da ich aufgrund der  Projekte in der Vergangenheit keine Zeit für eine Anprobe in Deutschland hatte, wurde es für mich nocheinmal spannend: Aber Alles hat gepasst."

Warme Klamotten für Moritz
Auch Radio Essen-Ente Erna ist gut eingepackt ;)

11. Januar: Mail aus Südafrika

"Heute hatten wir unser Briefing für den Flug bei ALCI dem ANTARTIC LOGISTIC CENTRE INTERNATOAL. Dort haben wir erfahren müssen, dass die schwere russische Frachtmaschiene nicht wie geplant an der russischen Station landen kann. Es ist zu warm gewesen in dieser Saison und die Landebahn aus Eis an NOVO kann die Ilyushin 76 nicht mehr sicher tragen. Deswegen wird tatsächlich ausgewichen auf die Troll Station. Diese liegt weiter westlich aber vor allem weiter im Landesinnern. Hier ist es kälter (-25°C im Jahresmittel) und die Maschine kann gefahlos landen. Es kann aber dennoch sein, dass wir dann mit kleineren Maschinen erst wieder zu Novo verfrachtet werden und von dort aus nach Neumayer. Es bleibt also eine spannende Reise."

12. Januar: Probleme bei der Anreise

"Mir graust es ein bisschen davor an Troll oder NOVO so lange festsitzen zu müssen, zumal die 'alten Hasen', die schon zig mal da unten waren, es als ein Desaster bezeichnen. Dort gibt es, anders als an Neymayer, nicht einmal eine Aufgabe..."

15. Januar: Endlich angekommen

Endlich sind wir gestern Abend, gegen 7 Uhr hier angekommen. Es war ein ganzschönes hin und her. Erst zu Troll, dann zu Novo, dort bleiben, dann zurück zu Troll und schließlich und endlich, acht Tage und fünf Flüge später sind wir hier: 70° 40' 13.04" S, 8° 16' 42.99" W

Es ist nicht sonderlich kalt mit -3 Grad. Aber es ist voll, 53 Personen sind hier zur Zeit. Alles Deutsche bis auf eine handvoll Piloten. Daher schlafen einige von uns in unbeheizten Containern, sogenannten Kabausen, die vor der Station stehen, ich habe auch diese Ehre. Ich habe sehr wenig geschlafen und schon etwas gefroren. Für die nächste Nacht hole ich lieber mal den Polarschlafsack raus.

Die erste warme Dusche habe ich schon genommen. Jetzt sitze ich hier erstmal und staune: über die unwirkliche aber wunderschöne Umwelt zum einen, und die beeindruckende und zum Teil technisch elegante Station im anderen. Hier ist es zur Zeit immer hell - Polartag."


Ankommen mit der Iljuschin
Container neben der Station

17. Januar: Harte Arbeit

"Alles in Allem empfinde ich das Arbeiten hier als sehr anstrengend.

Heute haben wir eine Einweisung für Skidos bekommen. Zum testen sind wir dann damit vor der Station gefahren. Leider hat eine Fahrerin ihren Skido beim Parken stark beschädigt und auf die Seite gelegt, als Sie Gas und Bremse verwechselte. Aber es geht ihr gut.


Die Station ist wirklich gut ausgestattet und das Essen ist echt gut. Alle müssen bei den täglichen Aufgaben hier mithelfen, wie dem Sauberhalten oder dem Beladen der Spülmaschine/Abtrocknen und Einräumen. Aber auch bei nichtalltäglichem wie dem Beladen von Flugzeugen."

Es stehen ein Sportraum, eine Lounge mit Kicker und kleiner Bar, ein Fernsehbereich (hier wird jedoch kein Programm empfangen - es können Videos - oder die aktuelle Tagesschau geschaut werden...), Dart auf dem Flur, ein weiterer Workoutbereich auf dem Flur (bei schönem Wetter wie heute kann man aber auch draußen laufen gehen), und sogar eine kleine Sauna zur freien Verfügung.

Die Anlagenteile für meine Versuche sind schonmal an Ort und Stelle,
jetzt bin ich dabei diese zu verkabeln.

Die Temperaturen stimmen mich jedoch weiterhin unruhig: Es sind nur -3/-4 Grad und der Untergrund an der Oberfläce hat auch -4 Grad."

Keller der Station - Moritz' Arbeitsplatz
Erna und eine "Schneegans"

22. Januar: Treffen mit Einheimischen

"Gut die halbe Zeit hier unten ist für mich jetzt schon rum. Die Zeit verfliegt nur zu. Ich hatte gedacht: "ja, da unten, weg von allem - da hat man viel Zeit und kann alles in Ruhe machen." Im Ggegenteil! Obwohl ich hier weniger Alltagspflichten habe - fast keinen Arbeitsweg und ich muss nicht einkaufen oder kochen. Ich muss ganz schön reinhauen wenn ich meine Versuche dennoch schaffen möchte. Zur zeit sieht es nicht so gut aus.

Gestern war hier die feierlich Übergabe der Station an die neuen Überwinterer. Die neun Menschen, die ein Jahr lang - also auch im Winter (unserem Sommer) - die Station warten und bewohnen.

Bislang hatten wir immer gutes Wetter. Vielleicht mal Wolken, aber kaum Schnee und kaum Wind. das mag schön sein um sich draussen aufzuhalten, leider bringt das vergleichsweise hohe Temperaturen mit sich.

Die ersten Pinguine, die ich gesehen habe, haben sich auch in Richtung Station gewagt. Das muss jedoch häufiger passieren, denn im Behälter in dem das Trinkwasser geschmolzen wird findet sich auch die eine oder andere Pinguinfeder."

Schelfeiskante

01. Februar: Neue Schlafräume für die letzten Tage im Eis

"Es bleiben mir noch ca. 9 Tage auf dieser wirklich tollen Station. Inzwischen schlafe ich auch drinnen in einem von 2 neu geschaffenen Schlafräumen, die zuvor Lagerräume waren. Ich muss sagen drinnen gefällt es mir besser als in der Kabause, auch wenn es dort draussen andere Vorzüge hat. Die Station ist schon etwas hellhörig. Leute mit sehr leichtem Schlaf bevorzugen daher die
Schlafmöglichkeiten außerhalb der Station.

Einiges ist in der Zwischenzeit passiert. Der Hauptversuch ist unterhalb der Station installiert und läuft nach einigen Schwierigkeiten jetzt sehr stabil. Gut, dass die Station über eine voll ausgestatte Werkstatt verfügt. Hier kann bei Bedarf sogar gedreht und geschweisst werden. Beides habe ich sogar getan, um Änderungen an unserem Versuchsaufbau vorzunehmen.

Ich hatte auch die Möglichkeit mit zur Schelfeiskante zu fahren, ein Angebot, dass ich nicht ausschlagen konnte. Auf dem Weg dahin sind wir an einer südafrikanischen Station vorbei gekommen, die aus den "resten" der ehemaligen Georg von Neumayer 2-Station errichtet wurde. Das Gebäude ist nach "klassischer" Bauart gebaut: Auf Säulen aus Stahl. Dieses bewährte Konzept für Gebäude in Regionen mit deutlichem Schneezutrag könnte evtl. durch unser neuartiges Fundamentsystem ersetzt werden. Diese Station ist in direkter Sichtweite der Station - obwohl man sich mit den Entfernungen hier total verschätzt - und dient der jetzigen Neumayerstation als Notfall-, Ausweich-Unterkunft, falls die Station aus irgendeinem Grund (Feuer oder Ähnliches) mal nicht mehr bewohnbar sein
sollte.
An der Schalfeiskante ist es wiederum ganz anders. Hier bricht das gewaltige Schelfeis ins Meer, dass zzt. nur von einigen Eisschollen bedeckt ist. Kleinere Pinguine und Robben tummeln sich darauf.
Bis zur Kante habe ich mich nicht vor gewagt - Risse unter dem Eis sind nicht sichtbar und einige Bereiche sind auch überhängend und können jederzeit herrab stürzen. Die Chance soetwas zu überleben ist nicht groß, wobei die Fallhöhe an dieser Stelle weniger das Problem sein dürfte, als das eiskalte Polarmeer darunter.

Der letzte Polartag wurde hier gebührend gefeiert. Jetzt geht die Sonne jeden Tag ein wenig mehr/länger unter. Wirklich dunkel wird es jedoch noch immer nicht.

Es gab ein Kickerturnier, welches ich zusammen mit Daniel, einem der neuen Überwinterer gewonnen habe. "Ewiger Antarktismeister" - so der Titel bei dem es hier scherzhaft in jedem Wettkampf geht. Aber auch wirklichen Fussball haben wir gespielt - das gillt natürlich, wie alle "Freizeitaktivitäten" für die Abendstunden - also nach getaner Arbeit. Es ist hier eine Stunde früher, als in Deutschland. Das Problem mit dem Fussball spielen hier ist, dass wir keinerlei Banden hatten. Jeden Ball im Aus gilt es ersteinmal von weit weg wieder herran zu holen. Eventuell bekomme ich hiervon noch Fotos oder sogar einen Film von einer Drone.

Wirklich kalt ist es immernoch nicht. -13°C waren das Kälteste bislang. Das wird sich jedoch bald ändern, wenn man den erfahrenen Antarktisgästen glauben darf.

Ansonsten sitzt einem der Abflug - wohl am 9.03. - im Nacken. Die Zeit hier vergeht sehr schnell für mich."

-wachsende Eissäule
-Südafrikanische Station aus den Resten
- Ich vor der Station

17. Februar: Moritz ist wieder zu Hause

Am 12. Februar Punkt 22.40 Uhr setzte der Flieger aus Kapstadt in Frankfurt am Main auf und Moritz Kötteritzsch war wieder in Deutschland. Bei uns in der Redaktion hat er über seine spannende Reise in die Antarktis berichtet. Eins seiner Highlights: Einfach mal ein paar Meter von der Station weggehen - dort herrscht absolute Stille, zumindest wenn kein Wind geht.

Auf des "Deutschen liebsten Sport" musste Moritz auch nicht verzichten: Draußen wurde auf Eis Fußball gespielt, drinnen gekickert. Moritz sicherte sich dabei den Titel "Ewiger Antarktismeister im Kickern".

Am Flughafen in Kapstadt: Da steht ja "Antarktica"
Mitten im Flug kommt die Anweisung: Warme Kleidung anziehen
Nach der Landung geht es mit dem improvisierten Shuttle zur Station
Im eigens gebauten Iglu wird erstmal angestossen
Regelmäßig besuchen Pinguine die Station Neumayer 3
Die Schneefräse kommt regelmäßig zum Einsatz
Mit der Raupe wird Schnee in eine Rinne geschoben - so wird Trinkwasser gewonnen
In der Ferne schwimmen Eisberge vorbei
Der Eingang zur versunkenen Station Neumayer 2
Moritz wagte auch eine Klettertour durch die verlassene Station
Einfach nur schön...
... Sonnenuntergang in der Antarktis

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