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Die perfekte Bewerbung

Wie habe ich die besten Chancen bei der Bewerbung?

Markus Bredenbröcker, Kreishandwerkerschaft Essen

Beim Anschreiben, im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch wollen Sie sich von Ihrer besten Seite zeigen. Das ist aber gar nicht so leicht: Was muss wo drin stehen und darf ich etwas schönreden? Wir haben für Sie bei Experten nachgefragt, wie Sie die besten Chancen auf eine Stelle haben.

Imageberater Andreas Köhler weiß, worauf Chefs achten und wie sich Bewerber am besten präsentieren. Franz Roggemann ist für die Aus- und Weiterbildung bei der IHK zuständig und kennt die Anforderungen an die Bewerber ganz genau. Der Friseur-Meister Markus Bredenbröcker kümmert sich bei der Kreishandwerkerschaft in Altenessen um die Lehrlinge. 

Die wichtigsten Informationen zur Bewerbung und dem Vorstellungsgespräch:

Tipps für das Bewerbungsschreiben

Wie überzeuge ich im Vorstellungsgespräch?

Sich gut zu präsentieren, ist nicht leicht...

Wie spreche ich im Vorstellungsgespräch über das Gehalt?

Franz Roggemann, IHK Essen
Imageberater Andreas Köhler

Wie viel Zeit muss/sollte ich investieren?

Franz Roggemann: Eine feste Zeit zu sagen ist schwer. Wichtig ist, dass man jedes Anschreiben individuell gestaltet und man sich für jedes Anschreiben genug Zeit nimmt. Also bitte kein Musteranschreiben verwenden und nur den Firmennamen austauschen.


Wie lang darf es sein?

Andreas Köhler: Ein Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein. Hier kommt es darauf an, sich so auf die Stelle bezogen darzustellen, dass es passt.

Was muss im Anschreiben stehen?

Andreas Köhler: Es "muss" nichts, es geht im Anschreiben darum, sich gezielt auf diese eine Stelle hin zu verkaufen. Zuerst ist wichtig, wie sind Sie auf die Stelle gekommen und was bewegt Sie dazu, sich zu bewerben? Dann ist es gut, auf die Stelle und die eigene Person einzugehen. Was bringen Sie mit, was können Sie und was ist Ihre Motivation? Letztlich sind es also die gleichen Fragen, wie auch in einem Vorstellungsgespräch.

Franz Roggemann: Zwei Dinge sind besonders wichtig: Warum will man den Job machen und warum ist man besonders geeignet dafür.

Foto: Pixabay / RobbinHiggins

Was ziehe ich an?

Andreas Köhler: Das Bewerbungsfoto ist tatsächlich ein Knockout-Kriterium. Hier geht es um den ersten Eindruck, den sogenannten "Primacy-Effekt". 

Franz Roggemann: Das ist von Beruf zu Beruf unterschiedlich. Letztlich sollte man mindestens so auf dem Foto aussehen, wie später im Beruf. In der Bank also mit Anzug, in der Werbeagentur oder als Industriemechaniker aber muss es kein Anzug sein. Als Dachdecker reicht auch ein Hemd.

 

Muss ich unbedingt lächeln?

Das schreibt einem ja niemand vor. Man sollte aufpassen, dass das Foto nicht zu künstlich wirkt. Und wenn Sie der Meinung sind, dass Sie mit einem ganz breiten Lächeln nicht authentisch sind, schauen Sie natürlich in die Kamera. Grundsätzlich steht aber Lächeln bekanntlich für Freundlichkeit und Offenheit und wird im Schnitt eher ansprechend wirken, als wenn jemand nicht lächelt. Freundlich schauen reicht aber auch.


Sind auch Fotos in schwarz-weiß in Ordnung?

Andreas Köhler: Wenn Sie sehr viel Personality darstellen wollen und der Job dies auch erfordert, sind auch Fotos in schwarz-weiß in Ordnung.


Deckblatt oder Lebenslauf?

Franz Roggemann: beides ist möglich.

Foto: Pixabay / loufre

Gibt es ein Muster für den Lebenslauf?

Beide Experten weisen daraufhin, dass der Lebenslauf individuell gestaltet werden sollte. Deshalb bieten wir hier auch kein Muster dafür an. Wichtig sind die persönlichen Daten, der berufliche Werdegang und erworbene Qualifikationen.

 

In welcher Chronologie sollte der Lebenslauf sein?

Andreas Köhler: Das hängt von der Ausgangslage ab. Ein "wie macht man es richtig" gibt es nicht, ich hasse so etwas. Es geht darum, wie wirke ich auf andere und hier spezifisch auf Personalentscheider einer bestimmten Branche, die sich ein Bild von mir machen wollen. Deshalb muss mir klar sein: Was habe ich für Stärken, die ich zeige, und was habe ich für Schwächen, die ich erst einmal möglichst nicht so sehr in den Vordergrund stelle. 

Franz Roggemann: Da streiten sich die Geister. Meines Wissens ist Stand der Technik, dass er rückwärts geschrieben wird, also vom Neusten zum Ältesten. Viel wichtiger ist aber, dass er vollständig ist und keine Lücken aufweist. Gibt es Lücken wie Work & Travel, Arbeitslosigkeit, etc., muss man erklären.


Was muss alles in den Lebenslauf?

Andreas Köhler: Es muss klar werden, wie Ihr Werdegang ist. Welche beruflichen Stationen und welche Ausbildung liegen hinter Ihnen und welche beruflichen Qualifikationen bringen Sie? Im deutschen Denken sind immer fachliche Qualifikationen und Persönlichkeitsmerkmale (Softskills) wichtig. Hierbei muss man sich immer Fragen, passt das den zur Stelle?


Was darf ich weglassen?

Franz Roggemann: Je weiter ich im Berufsleben vorangeschritten bin, umso unwichtiger werden zum Beispiel Details zum Schulbesuch. Der Lebenslauf sollte auch an jede Stelle angepasst werden. Ist bei einer Stelle nach einem Führerschein gefragt, sollte man dies auch mit aufführen und auf keinen Fall weglassen.


Was ist mit Hobbys?

Andreas Köhler: Man darf alles in den Lebenslauf hineinschreiben, was einen in ein gutes Licht setzt und zur Stelle passt. Wenn Sie tolle Hobbys haben, die Ihre Persönlichkeit untermauern, zum Job passen und zeigen, da ist jemand, der hat Charakter und engagiert sich, dann sollte das auch in den Lebenslauf. Wenn Sie sich in ihrem Hobby aber so engagieren, dass Sie gar keine Zeit für den Beruf haben, ist es eher ungünstig.

Franz Roggemann: Das ist umstritten, die einen sagen, was interessiert den Chef, ob ich Tennis oder Fußball spiele. Andere sagen aber, dass hier natürlich auch bestimmte Interesse, Neigungen und Talente genannt werden können. Oft finde ich das aber zweifelhaft: Wenn jemand Mannschaftssport betreibt, ist er nicht automatisch auch ein guter Team-Player. Ich glaube nicht, dass es heute noch erforderlich ist, Hobbys zu nennen. Wenn man aber das Gefühl hat, das ist authentisch oder könnte für den Job von Nutzen sein, dann schon. Wenn man sehr gefährliche Risikosportarten ausübt, wie Frei-Klettern ohne Absicherung, könnte der Arbeitgeber sich aber Sorgen um die Sicherheit seines Mitarbeiters machen. 


Was darf ich ein bisschen schönen?

Andreas Köhler: Bei der Bewerbung darf es nicht darum gehen, etwas schönzureden. Denn man muss authentisch sein und die richtige Schnittmenge zwischen "sich gut darstellen" und "authentisch bleiben" finden. Das ist die Kunst bei der Bewerbung.

Franz Roggemann: Sich über den grünen Klee loben, ist natürlich nicht richtig - man muss schon ein authentisches Bild von sich abgeben. Wenn man mit Kenntnissen prahlt, die man nicht hat, ist das (a) rechtlich ein Problem, denn dies berechtigt zur Anfechtung eines Arbeitsvertrags, und (b) hilft einem das auch nicht weiter... Denn schnell stellt ein Unternehmen fest, dass der Bewerber nicht die Voraussetzungen erfüllt und dann bekommt man den Job nicht oder ist ihn auch schnell wieder los.

Welche Zeugnisse und Bescheinigungen sollten rein?

Franz Roggemann: Man muss hier etwas Fingerspitzengefühl entwickeln, was wirklich wichtig ist. Als Faustformel gilt: Alles was im Lebenslauf drin steht, muss auch belegt werden. Wenn Sie sagen, dass Sie drei Jahre bei einem Arbeitgeber gearbeitet haben, sollte auch darüber ein Arbeitszeugnis beiliegen. Die wesentlichen Qualifikationen sollten Sie ebenfalls durch Zeugnisse belegen, aber wenn Sie einen einwöchigen Word-Kurs belegt haben, ist das nicht notwendig. Im Gegenteil: Legen Sie unwichtige Zertifikate bei, die nichts mit der Stelle zu tun haben, kann das sogar negativ sein. Zum Beispiel ist es schön, wenn man einen Tauchschein hat, der ist aber bei den allermeisten Jobs unwichtig.


Gibt es Besonderheiten für bestimmte Berufe?

Franz Roggemann: Ich kann mir schon vorstellen, dass einige Arbeitsproben je nach Beruf sinnvoll sind. Etwa bei Fotografen, doch Pflicht ist das nicht.

Markus Bredenbröcker: Bei uns im Friseur-Handwerk ist keine zusätzliche Mappe oder so etwas zur normalen Bewerbungsmappe nötig. Wichtig ist, ob jemand zu uns passt und alles andere zeigt sich beim Probearbeiten bzw. in der Probezeit.

Brauche ich ein Deckblatt?

Andreas Köhler: Will ich von Beginn an Personality zeigen, dann eignet sich ein Deckblatt. Wenn ich aber direkt zur Sache kommen will, dann lasse ich das Deckblatt weg. Es kommt also darauf an, was sind meine Stärken, was zeige ich zuerst von mir und was erfordert die Stelle.

Franz Roggemann: Das ist Geschmackssache, meine persönliche Meinung ist: Ein Deckblatt sieht ordentlich und ansprechend aus und man hat einen Deckel oben auf der Bewerbung drauf. Ich würde immer ein Deckblatt machen, auf dem "Bewerbung als / bei..." steht und dann ein Foto draufkleben. Dann weiß der Arbeitgeber gleich, was erwartet ihn jetzt in der Bewerbungsmappe.


Wann wählt man eine klassische Bewerbungsmappe und wann verschickt man eine Mail?

Mappen sind durchaus noch gängig. Und wenn man die Bewerbung per Mail verschickt, ist das ja eigentlich nur die Mappe im PDF-Format. Es gibt viele Unternehmen, die wollen nur noch Bewerbungen per Mail haben. Ich kenne aber eine Umfrage unter jungen Bewerbern und demnach bewerben sich die jungen Menschen am liebsten mit einer klassischen Mappe.

Foto: Pixabay / Free-Photos

Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an?

Franz Roggemann: Beim Bankkaufmann ist das natürlich anders, als in der Werbeagentur. Hier gilt: Wie beim Foto und etwa ähnlich, wie auch später im Job.


Wie präsentiere ich mich richtig?

Andreas Köhler: Man muss in der Lage sein, etwas über sich erzählen zu können und sich kurz darstellen zu können. Und zwar so, dass es zu meiner Zielgruppe passt.

 

Auf welche Fragen sollte ich vorbereitet sein?

Franz Roggemann: Wichtig ist, dass man das Gespräch als Chance nutzt, sich zu präsentieren. Warum will man den Job und so weiter - also auch den Mund aufmacht. Und man sollte sich ein, zwei Fragen für das Ende des Gesprächs überlegen. Denn es kommt immer die Frage "Haben Sie noch Fragen?". Sonst wirkt das, als ob man sich nicht vorbereitet hätte. Einige Beispiele:

  • Wie sind die Arbeitsbedingungen?
  • Wie sieht der Arbeitsplatz aus?
  • Wie sieht das Team aus?
  • Wie sind die Sozialleistungen?
  • Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Auch auf Standard-Fragen wie "Warum sollten wir gerade Sie einstellen?" und "Warum bewerben Sie sich gerade bei uns?" sollte man sich vorbereiten.

 

Gibt es noch Psychofragen?

Andreas Köhler: Wer wert auf gute Mitarbeiter und ein angenehmes Betriebsklima legt, sollte durchaus Psychofragen stellen. Die bekommen aber Bewerber gar nicht mit, weil die vor dem Bewerbungsgespräch stattfinden oder zwischen den Zeilen. Denn auf das Gespräch bereiten sich die Bewerber vor und jeder verstellt sich da auch. Kommen doch einmal im Vorstellungsgespräch Psychofragen, sind die nicht so effektiv. Denn viele Personalentscheider vergessen, dass Bewerber vorbereitet sind und stellen bekannte Fragen. Nur sehr wenige stellen Fragen, die wirklich zum Denken anregen. Das ist aber wichtig, um mehr über die Persönlichkeit herauszufinden. Also zum Beispiel einfach einmal den Bewerber erzählen lassen. Solche Fragen sind für den Chef sehr wichtig.


Welche Fragen muss ich nicht beantworten und ist es sinnvoll, sich da zu weigern?

Franz Roggemann: Es gibt bestimmte Fragen, auf die müssen Sie nicht antworten und auch nicht ehrlich antworten. Zum Beispiel bei Frauen Fragen nach Schwangerschaft oder Kinderwunsch, da können falsche Angaben nicht zur Kündigung führen. Ausnahmen gibt es aber, zum Beispiel an der Tankstelle oder als Striptease-Tänzerin. Da wäre die Berufsausübung schwanger schwierig, aber bei Büro-Tätigkeiten ist das kein Problem und geht den Chef nichts an.


Wie verhandele ich am besten über das Gehalt?

Franz Roggemann: Im Idealfall hat man sich vorher etwas schlau gemacht, was in der Branche üblicherweise gezahlt wird. Und dann sollte man im Gespräch auch sagen, was man gerne hätte. Denn es kommt der Moment, da muss man eine Zahl nennen und da muss man auch eine Zahl parat haben. Oder zumindest eine Spanne, in der das Jahresgehalt liegen sollte. Wenn man nach Tarif bezahlt wird, sollte man eine Tarifgruppe parat haben. Der Rest ist Verhandlungsgeschick. Das ist auch eine Frage, wie hoch der eigene Preis ist und wie begehrt die Fähigkeiten sind, die man hat. Wenn man Fähigkeiten hat, die sehr gesucht sind, kann man auch mehr pokern, als wenn man nur eine Ausbildung hat und noch 30 weitere Arbeitslose Schlange stehen.

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